Zeitung Heute : Der Kern der Sache

Die Atomenergie ist umstritten. Welche Rolle spielt sie beim Klimaschutz?

-

Bei den Verhandlungen über den dritten Bericht des UN-Weltklimarats (IPCC) hat es eine scharfe Kontroverse um die künftige Rolle der Atomenergie gegeben. Am Ende setzten sich die USA mit dem Wunsch durch, der Nuklearenergie bei der Lösung der weltweiten Klimakrise eine wichtige Rolle zuzuschreiben. In dem Report heißt es, der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromerzeugung könne bis 2030 von zurzeit 16 auf dann 18 Prozent wachsen. Da bis 2030 gewaltige Steigerungen des weltweiten Energiebedarfs prognostiziert werden, würde das nach einer Rechnung des Direktors des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, am Ende auf den Neubau von weltweit mehr als 200 Atomkraftwerken hinauslaufen.

Da der IPCC in seiner Empfehlung aber auch die Gefahren der Atomenergie klar benennt, konnte auch die deutsche Delegation mit dem Kompromiss leben. In dem Text wird nun auf Risiken bei der Sicherheit der Anlagen, die Gefahr, dass Atomwaffen entwickelt werden, und die Probleme einer sicheren Lagerung des radioaktiven Mülls ausdrücklich hingewiesen.

Für James L. Connaughton, den Umweltberater des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, ist es keine Frage, dass die Atomenergie als „Nullemissionsenergie“ ein „Teil der Antwort sein muss“. Im kommenden Jahr hofft er, dass die USA das erste neue Atomkraftwerk seit 35 Jahren in Betrieb nehmen können. Allerdings laufen auch Atomkraftwerke nicht ganz ohne Treibhausgasemissionen. Bei der Förderung von Uran und dem gesamten Betrieb der Anlagen kommt die Atomkraft nach einer aktuellen Studie des Öko-Instituts auf einen Wert von 31 bis 61 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde Strom. Eine Windmühle erzeugt nur 23 Gramm pro Kilowattstunde.

UBA-Chef Troge hält den Ausbau der Atomenergie ohnehin für eine verfehlte Strategie. „Wir dürfen nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“, sagte er dem Tagesspiegel. Er warnte davor, beim Klimaschutz einen „Tunnelblick“ zu entwickeln. Auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält nichts von einer Ausbaustrategie. Denn das Proliferationsrisiko, also die Gefahr, dass „eine Reihe verrückter Diktatoren“ den Ausbau der Nuklearenergie zum Bau von Atomwaffen ausnutzen könnte, „halte ich für das größte Problem dabei“.

Dagegen sagte der Chef des UN-Klimasekretariats Yvo de Boer, die Atomenergie habe ihren Platz im Energiemix. Allerdings betonte auch er, dass es eine Herausforderung sei, die Anlagen sicher zu betreiben.

deh

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben