Zeitung Heute : Der Kommissar geht um

SIMONE MAHRENHOLZ

"The Commissioner" mit Armin Mueller-StahlVON SIMONE MAHRENHOLZEin kritischer Polit-Thriller mit spannender Story und europäischer Dimension, exzellenten Schauspielern, attraktiven Drehorten und der Regie des Thriller-erfahrenen George Sluizer ("The Vanishing").Trotzdem geht die Saat nicht auf.Warum? Seltsamerweise kann man oft an den ersten zwei, drei Minuten ablesen, was im Film schiefgeht.Hier ist es ein Selbstmord, eine Nuance zu betulich inszeniert, und die unmerkliche Langsamkeit und Redundanz hält den Film über an.Der britische Minister James Morton (John Hurt) wird nach erzwungenem Rücktritt wegen illegaler Waffengeschäfte nach Brüssel abgeschoben.Kaum hat er das Kommissariat für Industrie inne, erreichen ihn durch einen Wissenschaftler (Armin Mueller-Stahl) Informationen, denen zufolge ein deutscher Chemie-Konzern illegale B- und C-Waffen produziert.Das gibt dem Film Gelegenheit für eine detaillierte Rede über die Beteiligung deutscher Chemiekonzerne an der "Endlösung" des zweiten Weltkriegs und die heutige Fortsetzung dieser Tradition.Deutsche sind Nazis eben nicht nur im US-Film.Ursprünglich konservativ und korrumpierbar, wird Morton durch seine Schwäche für die aparte Umwelt-Kommissarin (Rosana Pastor) auf den rechten Weg gebracht.Er vereitelt eine Wirtschaftsfusion und hat nun mächtige Todfeinde aus dem Industriesektor. Keinesfalls fehlen die Liebesaffäre und die weinerliche Gattin, korrupte Amis tragen Texas-Hüte und Blondinen im Arm.Und auch sonst kommt alles fast haargenau so, wie wir es erwarten.Als wolle dieser Film der Berliner Produzenten Christina Kallas und Luciano Gloor bloß alles richtig machen. Schade.Dabei basiert die Story auf dem Roman des britischen Krimi-Autors Stanley Johnson, selbst jahrelang Mitglied des europäischen Parlaments.Seine Kritik an den Korruptionen und Intrigen dieser Institution ist klar ein Stoff, der ins Kino gehört.Doch die Drehbuch-Fassung bremst das Geschehen trotz gelungener Momente immer wieder ab.Das Werk wirkt wie ein wenig kohärentes Patchwork aus Hunderten bereits gesehener Filme.Was dem Ganzen fehlt, ist Drive im Schnitt und der Mut zu Fehlern. Heute 15 Uhr (Royal), 23.30 Uhr (Urania), morgen 20 Uhr (Royal)

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