Zeitung Heute : Der Konservative

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Doktor Peter Gauweiler hat blendende Laune. In Lodenjoppe und moosgrüner Weste schlendert der CSUAbgeordnete durch den Bundestag, das Handy am Ohr und einen dieser Anrufer in der Leitung, die neuerdings so nett zu ihm sind. Im Minutentakt melden sie sich jetzt bei ihm und bitten höflich um Termine. Morgens eine BBC-Reporterin, mittags Zeitungsleute und kaum holt er Luft, ruft ein Abgeordneter aus Sachsen an, der ihn bei seinem Anti-Kriegs-Antrag im Bundestag unterstützen will. „Da haben wir eine hübsche Debatte angefangen“, sagt er.

Man muss es wohl eine wundersame Wandlung nennen, dass Peter Gauweiler, der sich als Staatsekretär und Minister in Bayern einen soliden Ruf als rechter Wadlbeißer erworben hat, nun zum Kämpfer für den Weltfrieden geworden ist. Erst muckte der Bundestagsabgeordnete gegen das „Geeiere“ seiner CSU auf, die weder auf den päpstlichen Friedensappell hören noch den USA die Meinung zum Irak sagen wollte. Inzwischen debattiert man in der Union heftig über den Konflikt, was Gauweiler nicht ohne Belustigung beobachtet. „Dieses Querköpfigkeits-Gen trage ich seit frühester Jugend in mir“, sagt er. Aber es ist ihm natürlich ernst mit der Sache.

Gauweiler ist gegen einen Angriff, weil er zwar Protestant, aber dennoch ganz einig mit dem Heiligen Vater ist, der einen Krieg nur als ultima ratio akzeptiert. Die Motive der USA seien ja „in der Summe nicht uneigennützig“, sagt Gauweiler, der auch um die Sicherheit westlicher Metropolen bangt. „Ein imperialistischer Schlag gegen den Irak“, sagt er, „das ist angesichts unseres Verhältnisses zum Islam ungefähr so klug, wie ein Benzinfass in ein brennendes Haus zu werfen.“

Sorgen macht er sich aber auch um die amerikanischen Freunde. „Geht’s dem nicht gut?“, fragt er und meint US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der Deutschland „in eine Reihe mit dem kubanischen Gulag gestellt“ habe. Ob Klimaschutz oder internationaler Strafgerichtshof, den USA sei doch ganz egal, was der Rest der Welt denke. Klimaschutz, Imperialismus, war das nicht das Vokabular der Linken? Ja freilich, er bemüht sich jetzt „lagerübergreifend zu denken“, in der heutigen Friedensbewegung seien ja auch „keine Berufsdemonstranten mehr“. Eine Versöhnung? Naja, sagt er, man muss nicht übertreiben. Morgen geht Peter Gauweiler lieber Skifahren anstatt zu demonstrieren.

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