Zeitung Heute : Der Loyale
18.02.2012 00:00 UhrDie Fähigkeit, sich nicht zu allzu wichtig zu nehmen, hat Thomas de Maizière erst kürzlich unter Beweis gestellt: Ihm werde die Ausstrahlung einer Heftklammer nachgesagt, behauptete er. Richtig ist: Der Verteidigungminister hat sich mit seiner sachlichen, zurückhaltenden Art einen Ruf als loyaler Staatsdiener erarbeitet. Das kommt offenbar gut an, wie die Umfragewerte des CDU-Politikers belegen. Der Merkel-Vertraute hat im Lauf seines politischen Lebens allerdings schon so viele Ämter ausgefüllt, dass sich mit seiner Person kein eigenes Thema verbindet. Der 58-Jährige hat bislang nicht den Ehrgeiz erkennen lassen, über die Union hinaus zur gesellschaftlichen Sinnstiftung beizutragen.
Allenfalls fällt er mit gelegentlichen großkoalitionären Signalen auf. Zwar achten viele Oppositionsabgeordnete Gründlichkeit und Fairness des Ministers. Doch allen ist bewusst, dass de Maizière seit Jahren zum engsten Kreis um Merkel gehört. Das ist keine gute Voraussetzung für einen Präsidenten, der, wenn nötig, auch die Kanzlerin kritisieren muss. Zudem hat die Opposition schon signalisiert, keinen derzeit aktiven Minister akzeptieren zu wollen. De Maizière selbst bezeichnete die Spekulationen am Freitag auf seiner Rückreise aus den USA als „abwegig“. hmt








