Zeitung Heute : Der Mann aus den Bergen

FRANK NOACK

Döner-Western: "Eskiya - der Bandit" von Yavuz Turgul ist solides Erfolgskino aus der TürkeiFRANK NOACKWer verkabelt ist, bekommt auf den türkischen Sendern TRT-INT und TDI unterhaltsame Kuriositäten geboten: Actionfilme mit Kampfsport und Gesang oder auch Wikingerfilme, deren Darsteller sich blonde Perücken aufgesetzt haben.Ausgeblichene Bilder, zerkratzte Tonspuren und expressionistisches Spiel sind die Regel.Unlängst war "Königin Christine" zu sehen, mit einer türkisch sprechenden Garbo - wie gut, daß der armenische Regisseur Rouben Mamoulian das nicht mehr erlebt hat.Doch die Türkei hat nicht verdient, daß die Sender und Videotheken dieses Filmland vorwiegend mit Schund repräsentieren.Daß es anders geht, konnten Regisseure wie Serif Gören ("Yol", nach dem Drehbuch von Yilmaz Güney) und Tevfik Baser ("40 m2 Deutschland") beweisen; auch das Eiszeit-Kino bessert seit einiger Zeit das Image des türkischen Kinos auf. Nun "Eskiya - Der Bandit": Die Hauptfigur, der Bandit Baran (Sener Sen), kommt nach 35 Jahren aus dem Gefängnis zurück und will Rache an dem Mann üben, der ihm Geld, Frau und Freiheit geraubt hat.Der schweigsame Einzelgänger ist eine Figur wie aus einem Italo-Western, nicht umsonst wird die türkische Variante dieses Genres Döner-Western genannt.Baran, der Mann aus den Bergen, muß seinen Gegner in Istanbul suchen, einer für ihn völlig fremden Welt.Regisseur Yavuz Turgul schildert eindrucksvoll das Aufeinanderprallen zweier Kulturen: ausgerechnet im Fernsehen sieht Baran seinen Todfeind wieder, der es längst zu einem erfolgreichen Politiker gebracht hat.Der Verräter Berfo (Kamuran Usluer) wird nicht unsympathisch geschildert, er nennt gute Gründe für seine Untaten.Aus Liebe zu der schönen Keje (Sermin Sen) habe er betrogen und gemordet, dazu sei Baran nicht in der Lage gewesen. Ein schäbiges Hotel ist der Hauptschauplatz des Films.Turgul prangert das schlechte Sozialsystem an, schildert Liebesdramen in verschiedenen Generationen und bietet einen blutigen Showdown à la "Taxi Driver".2,4 Millionen Zuschauer in der Türkei waren der Lohn für die solide Kino-Arbeit.Einem internationalen Erfolg steht nur noch die hausbackene Technik im Wege: wie in den meisten Filmen aus arabischen Ländern bleibt die Kamera ziemlich statisch.Immerhin: "Eskiya" beweist, daß an faszinierenden Charakteren und Situationen in der Türkei kein Mangel besteht. Filmbühne Wien; Sputnik Wedding und Eiszeit (OmU)

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