Zeitung Heute : Der Mann für Scharpings Fälle

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Von Ursula Weidenfeld

und Matthias Meisner

Das Wunderkind der deutschen PR- und Lobbyisten-Branche – an diesem Ruf arbeitet der 43-jährige Moritz Hunzinger unermüdlich. Fast 50000 Adressen enthält seine Beziehungs-Kartei, rühmt er sich: von Spitzenpolitikern, Managern, Unternehmensführern, Journalisten. Es gebe nichts, für das er nicht den richtigen Informationsweg finde, sagt er. Er bringt sie alle zusammen. Bei Scharping haben seine Künste versagt.

Hunzinger – ein stämmiger, ein bisschen weicher, immer perfekt gekleideter Mann. Sein Job ist Reden – weil er nichts anderes gelernt habe. Als Kind musste er ein paar Schulen verlassen. Sein Vater steckte ihn in eine US-Drill-Schule, damit er zu einem Schulabschluss kam. Zurück in Deutschland, machte er sich an den Aufbau seines Beziehungsmanagement-Unternehmens. Kaum ein Politiker, kaum ein Journalist, der nicht eines Tages von Hunzinger angerufen und charmiert wird. Mit Gefälligkeiten, Abendessen, kostenlosen Typ-Beratungsstunden oder üppig dotierten Vorträgen werden Politiker und Journalisten an Hunzinger gebunden – um dann zu Diensten zu sein, wenn zahlende Kunden Hunzinger buchen. Auch und gerne aus der Rüstungsbranche.

Hunzinger hat das bis dahin diskrete Beziehungsmanagement in Deutschland zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht. Spätestens, als er sein Unternehmen an die Börse brachte. Wie ein neureicher Junge prahlt er mit seinen Kontakten, seinen Spleens (das Sammeln von Autogrammen und Stühlen), seinen Tochterunternehmen (Meinungsforschungsinstitut Infas, Bildagentur Action Press, Buchverlag). Seinen Optimismus verliert er nie – selbst dann nicht, als er des Insiderhandels verdächtigt wird, als seine Aktie zum Penny-Stock verkommt, als er das frühere Schic-Börsensegment Neuer Markt verlassen muss.

Reden, reden, reden – das gehört auch für Johannes Altincioglu zum Geschäft. Der Geschäftsführer der Hunzinger PR GmbH und Mitglied der Geschäftsleitung der Hunzinger Information AG wird in den letzten Tagen viel telefoniert haben in Sachen Scharping. Am „Tag der Angst", wie er es ausdrückt, mag er nicht mehr gerne reden. Wie Hunzinger arbeitet? „Alles individuell gelagerte Fälle", sagt er, alles „vom Einzelfall abhängig“. Keine n, keine Details. Nein, jetzt soll nichts gesagt werden, später mal könne er erzählen. „Am besten“, fügt er noch an: „Sie betrachten das Gespräch als nicht stattgefunden."

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