Zeitung Heute : Der Mann hinter... Sarah Jessica Parker

Sie spielt die Hauptrolle in „Sex and the City“ , er spielte „Ferris macht blau“. Was wurde aus Matthew Broderick?

Jeannette Krauth

„Hey Ferris, ich liebe Deine Frau!“ So etwas muss sich Matthew Broderick ständig anhören. Weil er mit Sarah Jessica Parker verheiratet ist, der Kolumnistin Carrie Bradshaw aus der Fernsehserie „Sex and the City“. Die gilt als die moderne Singlefrau schlechthin. Gerade ist auf Pro 7 die sechste und letzte Staffel angelaufen, aber Nachschub ist in Sicht: Ein Kinofilm wird vorbereitet, berichtet die Zeitschrift „Variety“. Und Broderick, der ist offenbar der ewige Ferris, der Schulschwänzer aus der Teenagerkomödie „Ferris macht blau“. An das smarte Bürschchen von 1986 denkt man gern zurück. Weil er wie die „Chucks“, die Turnschuhe von Converse, wie die weiten Sweatshirts von damals, wie Jennifer Greys Hebefiguren aus „Dirty Dancing“ oder Michael J. Fox auf seinem Skateboard zu den Erinnerungen einer 80er-Jahre-Jugend gehört. Was aber kann man noch über ihn sagen?

Matthew Broderick taugt nicht für einen glänzenden Starschnitt. Weder äußerlich – einen Hauch zu klein, einen Tick untersetzt, noch immer zu viel Nachbarsjunge statt umwerfender Männlichkeit – noch von seiner Filmographie. Egal, wie hochkarätig die Kollegen waren, es reihte sich ein Flop an den nächsten: Die T. C. Boyle-Verfilmung „Willkommen in Wellville“ (1994), wo er neben Anthony Hopkins und Bridget Fonda spielte, der „Cable Guy – Die Nervensäge“ (1996), in dem Broderick Jim Carreys Launen ertragen muss, „In Sachen Liebe“ (1997) an der Seite von Meg Ryan und auch „Godzilla“ (1998). Geradezu ein Händchen für die falschen Filme könnte man ihm bestätigen.

Aber Broderick ist ein Arbeiter. 30 abgedrehte Filme und zwei Tony Awards, die Oscars des Broadways, kann er vorweisen. Seine wahre Karriere hat er dort, am Broadway, gemacht. Seine Leidenschaft ist die Bühne und dort das Musical. Sein unerreichbares Vorbild, so sagt er, ist Fred Astaire. Gerade ist er zum zweiten Mal für „The Producers“ engagiert. Das Musical um zwei Produzenten, die einen Flop planen und einen Knüller bringen, basiert auf einem Film von Mel Brooks aus dem Jahr 1968. Es ist die erfolgreichste Broadway-Produktion aller Zeiten. Broderick und der zweite Hauptdarsteller Nathan Lane werden von den New Yorkern geliebt, bis zu 480 Dollar kostet eine Eintrittskarte, 2005 soll es eine Neuverfilmung des Mel Brooks-Klassikers geben.

Matthew Broderick wurde am 21. März 1962 in New York geboren. Mit 17 stand er mit Vater James Broderick, einem US-Serienstar der 70er, auf der Bühne. Sein erster Kinofilm „Max Dugan Returns“ wie auch folgende Theaterstücke werden von den Kritikern gelobt. 1983 folgt „Kriegsspiele“, drei Jahre später gilt er in der Rolle des Ferris als Riesen-Star-Hoffnung. Doch dann bleiben die Erfolge auf der Leinwand aus, mit Ausnahme der Independent-Filme „Election“ (1999) und „You can count on me“ (2000). Letzterer wurde sogar zweifach für den Oscar nominiert. 1995 spielt er gemeinsam mit Sarah Jessica Parker, da ist sie schon seine Freundin, sein erstes Musical „How to Succeed in Business Without Really Trying” und erhält dafür gleich seinen zweiten Tony.

Es ist auch privat keine glatte Story, Brodericks Leben. Der Vater wird nur 55, sein Tod 1982 trifft den Jungen sehr. Der Vollblut-Schauspieler James Broderick, der oft ein Stehauf-Männchen sein musste, hat den Sohn geprägt: „Manche Broadway-Show meines Vaters wurde nach einer Woche eingestellt. Das hat ihn nie runtergezogen, er hat sich immer wieder aufgerappelt.“ Er habe ihm beigebracht, nicht so viel Wert auf die Meinung anderer zu legen. Verlobt ist er mit Dirty-Dancing-Star Jennifer Grey. Sie ist seine Beifahrerin auf der irischen Landstraße im Sommer 1987, als Matthew Broderick auf der falschen Straßenseite frontal in ein entgegenkommendes Auto rast. Darin sterben eine Mutter und ihre erwachsene Tochter. Broderick erhält eine Buße von nur 100 Dollar. In Interviews erwähnt er immer wieder, dass ihn diese Geschichte niemals losgelassen hat.

Sarah Jessica Parker lernt er 1992 kennen. Er führte für ihren Bruder Tony, auch Schauspieler, Regie. Sie kam zu einer Probe des Ein-Mann-Stücks, die beiden verabredeten sich – schauten Baseball-Spiele an, gingen Bagels mit Fischsalat essen und jeden Sonntag zum chinesischen Brunch. Chinesisch am Morgen sei für New Yorker Juden ganz normal, sagt Parker. Ihre Mutter ist ebenso wie seine Mutter Jüdin. Fünf Jahre später heiraten sie in New Yorks ältester Synagoge. Nachts, das leicht marode Gebäude von 1850 ist nur von Kerzenschein erhellt. So kann man die Schönheit, aber nicht die Baufälligkeit sehen, sagt damals die ganz in Schwarz gekleidete Braut. Heute geht sie gern mit ihm einkaufen – um ihn einzukleiden, nicht sich. „Das ist, als ob ich ihre Puppe wäre und sie mich anzieht“, sagt Broderick. Sie mag an ihrem Mann, dass er „so gar kein moderner Rock ’n’ Roll–Typ ist“.

Das merkt man an seinen Vorlieben. Broderick liebt alte Uhren, die kleine Raffinessen haben, wie Diamanten in Baseball-Form oder die sich selbst aufziehen können. Schallplatten sind ihm lieber als CDs. Er mag es, über Kopfsteinpflaster zu gehen, rasiert sich nur nass, und seine Schuhe sollen Ledersohlen haben. Ein Mann der alten Schule.

Ein bisschen nervig wird es nur, wenn das Team Parker-Broderick stets betont, wie wenig sie doch dem New Yorker Trend-Paar entsprechen. Motto: Bloß keine Parallelen mit der durchs Leben flatternden Carrie. Sex ist kein Gesprächsthema, Partys mögen sie nicht so gerne wie Sonntage in ihrem New Yorker Stadthaus. Da hängen die beiden auf der Couch rum, lesen die „New York Times“, kraulen Bordercollie Sallie hinterm Ohr, vielleicht knistert ein Feuer, schließlich hat das doppelstöckige Apartment in jedem Zimmer einen Kamin. An den Wänden hängen Baseball-Accessoires von den Yankees und Mets. Mittlerweile ist die Idylle ja noch um den einjährigen Sohn James Wilke bereichert.

Aber der nette Kerl steht Broderick auch ganz besonders gut. Humor hat er nämlich ebenfalls. Sein Lebenstraum: Die Erinnerungen an seine glamourösen Promi-Kollegen aufschreiben. Und zwar unter dem Titel „Sie nannten mich Pal: Der Lieblingshund der Stars erzählt seine grauenhafte Geschichte.“

In unserer Reihe porträtieren wir jeden Sonntag einflussreiche Menschen, die ansonsten im Hintergrund bleiben.

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