Zeitung Heute : Der Mensch ist entziffert: Biotech-Aktien bleiben riskant

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Biotechnologie-Aktien bleiben nach Meinung der Deutsche Bank-Tochter DWS auch weiterhin ein lohnendes, wenn auch riskantes Investment - und das nicht nur wegen der am Montag bekanntgegebenen vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Genoms. "Die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gut, die Produktpipeline der Unternehmen ist voll und ihre Kapitalausstattung besser als je zuvor", sagte DWS-Sprecher Thomas Richter am Montag vor der Präsentation einer neuen Branchenstudie. Die DWS-Experten investieren zu 90 Prozent in US-Biotech-Unternehmen, die gegenüber deutschen Firmen einen deutlichen Entwicklungsvorsprung haben. Nicht mit jeder Biotech-Aktie könne man allerdings Geld verdienen, schränkte Richter ein. "Der Erfolg steht und fällt mit der Forschung und Entwicklung der Unternehmen." Nicht jede Biotech-Firma sei in der Lage, geeignete Produkte an den Markt zu bringen.

Die fundamentalen Daten der Biotech-Industrie seien besser als je zuvor. Bis heute habe die Branche mehr als 100 Produkte auf den Markt gebracht. Einige Produkte erreichten schon mehr als 500 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr. Mehr als 800 biotechologische Produkte befänden sich zudem in der klinischen Entwicklung, davon knapp 100 in der späten klinischen Entwicklung. Die DWS-Experten erwarten, dass im Laufe des Jahres 2001 rund 25 Medikamente von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zugelassen werden und auf den Markt kommen.

Die Furcht vor einem ähnlichen Schicksal wie dem des Internetsektors teile die DWS nicht, weil die Biotechnologie-Branche reifer sei, heißt es in der Studie. Dennoch sei das Investment in Biotech-Werte risikobehaftet. Der Markt sei in den vergangenen zwei Monaten etwas schwächer und extrem volatil gewesen. Diese Schwankungsintensität werde wahrscheinlich noch für einige Zeit anhalten. Dennoch sind die DWS-Fondsmanager überzeugt, dass die fundamentalen Daten der Biotechnologie heute besser sind als je zuvor und auch stark genug, um eine Erholung des Sektors zu ermöglichen. Die DWS-Experten erwarten daher weiter steigende Bewertungen von Biotech-Unternehmen - wenn auch nicht mit ähnlich hohem Ausschlag wie im vergangenen Jahr.

Nachdem Craig Venter die fast vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms angekündigt hatte, war der 17 Werte umfassende Amex-Biotechnologie-Index bis zum 7. März auf einen Rekord von 806 Punkten gestiegen. Im Jahresverlauf legte er um 62 Prozent zu und erreichte ein Allzeit-Hoch von 811 Punkten Ende September. Auch der breiter gefasste Nasdaq-Biotechnologie-Index kletterte im vergangenen Jahr um 23 Prozent, während der Nasdaq Composite Index 39 Prozent verlor.

Angesichts der teilweise extremen Bewertungsschwankungen bei Einzelwerten raten die DWS-Experten dazu, das Biotech-Investment breit zu streuen. Für Anleger mit langem Atem, die in ein breit gestreutes Portfolio von Biotech-Aktien investierten, dürfte sich die Anlage dennoch lohnen, heißt es abschließend.

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