Zeitung Heute : Der Mensch ist entziffert: "Der Biotech-Branche fehlt eine Galionsfigur"

Herr Heinrich[dem US-Unternehmer Craig Venter ist]

Peter Heinrich ist Biochemiker und Vorstandsvorsitzender des Biotechnologie-Unternehmens Medigene in Martinsried bei München.

Herr Heinrich, dem US-Unternehmer Craig Venter ist es wieder einmal gelungen, den Blick der Welt auf die Biotech-Branche zu lenken. Die deutschen Kollegen können darüber nur staunen. Haben Sie eine schlechte Lobby?

Das Problem ist, dass die meisten deutschen Unternehmer viel zu sehr Wissenschaftler sind und sich keine Zeit für die Vertretung der eigenen Interessen nehmen. Das bringt uns nicht weiter. Um den Biotechnologie-Standort Deutschland zu beleben, brauchen wir auch Input aus der Branche. Das müssen wir erst lernen. Wir haben ja noch nicht einmal einen eigenen schlagkräftigen Industrieverband.

Was machen die Amerikaner besser?

In den USA gibt es mit der Biotechnology Industry Organization eine fachlich sehr kompetente und schlagkräftige Organisation, die die Interessen der Branche über alle Disziplinen hinweg sehr erfolgreich und vehement vertritt und darüber hinaus eine erstklassige Kommunikation betreibt.

Wie funktioniert dieses Lobbying?

An der Spitze steht mit Carl Feldbaum kein Unternehmer, sondern ein Anwalt und Politprofi, der auch schon bei der Aufklärung des Watergate-Skandals eine große Rolle gespielt hat. Feldbaum hält engen Kontakt zum Kongress, dem Senat und den Vorständen der Biotech-Unternehmen. Er bringt Gesetzesinitiativen aktiv ein, veranstaltet Hearings, macht Aufklärungsarbeit und ist auch in der Fach- und allgemeinen Presse sehr präsent. So eine Galionsfigur fehlt uns in Deutschland.

Ist Besserung in Sicht?

Wir versuchen zurzeit, dem Verband deutscher Biotechnologie-Unternehmen eine völlig andere Struktur zu geben. Das muss in den nächsten beiden Jahren passieren. Die Branche wächst rasant schnell, wir brauchen unbedingt eine Interessenvertretung - auch, um wettbewerbsfähig gegenüber den Amerikanern zu werden. Wenn ein US-Unternehmer in Deutschland anrufen will, hat er Schwierigkeiten, den richtigen Ansprechpartner zu identifizieren.

Liegt es an der schlechten Außendarstellung, dass Anleger die Arbeit der Biotech-Unternehmen an der Börse nicht immer angemessen würdigen?

Wir müssen generell das Verständnis für unsere Branche fördern. Dazu gehört auch, dass die Unternehmer selbst lernen, aktiv und verständlich zu kommunizieren und eine klare Sprache zu sprechen. Auch das beherrschen die Amerikaner besser.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar