Zeitung Heute : Der Mensch ist entziffert: Keine Diktatur der Gene

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Was die Entzifferung des Menschen bedeutet - darüber kann jetzt, nachdem Milliarden chemische Verbindungen gelesen wurden, richtig diskutiert werden. Muss es auch, weil über die wirtschaftlichen Aspekte hinaus die ethischen Grundlagen des Menschseins berührt sind. Uns trennt nach den jetzt veröffentlichten Erkenntnissen nicht sehr viel von der Maus, nicht gar zu viel von der Fruchtfliege, nicht einmal vom Wurm. Das ist erstmal natürlich. Aber, menschlich gesehen, irgendwie enttäuschend. Daneben ist es naturwissenschaftlich und im Sinne von Religion und Philosophie zu bewerten. Gibt es also doch jenes höhere Wesen, das viele verehren? Das uns nach seinem Bilde zur Krone der Schöpfung entwickelt? Eines ist sicher: Es ist wenigstens nicht ausgeschlossen. Im entzifferten geringen Unterschied zum Tier offenbart sich darüber hinaus, dass es nicht nur die Gene sind, die alles an uns bestimmen. Der Mensch, wie er ist und dann von der Umwelt beeinflusst und erzogen wird, der ist erst der eigentliche Mensch. Zu entdecken ist das übrigens am Beispiel eineiiger Zwillinge - identisches Erbgut. Die entwickeln sich bekanntermaßen manchmal auch sehr unterschiedlich. Das wiederum gebiert die Hoffnung, dass keine Uniformität erschaffen werden kann. Es gibt keine Diktatur der Gene, gottlob. Womit wir wieder beim Ausgangspunkt wären: 30 000 Gene sind nicht viel? Es sind mehr als bei der Fliege, beim Molch. Und ein Molch holt kein Gold - es kommt schließlich ganz darauf an, was der Mensch aus seinen Genen macht.

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