Zeitung Heute : Der Mythos lebt wieder

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So richtig „heiß“ wurde Tom Cruise erst 1985. Die „Aviator“ von Ray Ban gab dem Schauspieler in „Top Gun“ den letzten Kick zum Sex-Symbol, und für US-Touristen war die Ray Ban fortan neben der Levi’s-Jeans Standardeinkauf. Bis heute hat sich die US-Marke mehr als 100 Millionen Mal verkauft und ist damit die mit Abstand meistverkaufte Sonnenbrille der Welt.

Überhaupt hat Ray Ban Hollywood und seinen Akteuren eine Menge zu verdanken. 1961 trug Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ eine Ray Ban, was die Brille von ihrem rein zweckmäßigen Dasein befreite. Denn bis dahin hatte die 1937 geschaffene Marke Cruise realen Vorbildern bei der US-Air Force dazu gedient, ihren Flieger unfallfrei durch die Lüfte zu steuern und beim Verlassen des Cockpits lässig auszusehen. Dies brachte zwar Geld, aber wenig Glamour. Mit Hepburn setzte sich Ray Ban im Kino durch. Es folgten unter anderen die „Blues Brothers“, bei denen 1979 die schwarze „Wayfarer“ dazugehörte wie Anzüge und Hüte, und im TV die schicken Drogenfahnder aus „Miami Vice“. Bis heute schmückte die amerikanische Sonnenbrille Schauspieler in mehr als 100 Produktionen. Mit der „Predator“, die die von Will Smith und Tommy Lee Jones gespielten Alien-Jäger in „Men in Black II“ tragen, will Ray Ban an die alten Klassiker anknüpfen.

Ein schwieriges Unterfangen, denn seit den 90ern hat sich der Hype um die einstige Kultbrille gelegt. Designermodelle kamen in ähnlicher Preisklasse auf den Markt, zudem folgten „Aviator“ und „Wayfarer“ kaum Innovationen. Seit Mitte der 90er war der Absatz von Ray Ban daher deutlich rückläufig. Der Hersteller Bausch&Lomb verkaufte die ur-amerikanische Marke 1999 schließlich an die italienische Luxottica.

Die freut sich über wieder steigende Absatzzahlen und setzt bei Ray Ban auf moderne Modelle, die zwischen 75 und 130 Euro kosten und denen anderer Hersteller ähneln: ovale Brillen oder Modelle mit farbig getönten Gläser. Damit sollen neue Kundenkreise für die berühmte Marke erschlossen werden. Zum Beispiel Frauen, die bisher meist zu anderen Sonnenbrillen greifen. Von fünf Ray-Ban-Käufern sind vier männlich. Außerdem will Luxottica jüngere Menschen ansprechen, denn unter 25 Jahren ist kaum einer der Kult-Brillenträger. beh

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