Zeitung Heute : Der Nächste bitte

In Charlottenburgs Amtsstuben wird man freundlich und kompetent beraten

Kerstin Heidecke

„Was möchten Sie bitte?“ Die zweimal wiederholte Frage klingt streng, leicht genervt. Die offensichtlich nur englischsprachige Kundin im Bürgeramt im Rathaus an der Otto-Suhr-Allee 100 lässt sich trotzdem nicht einschüchtern, bis sie ihr Anliegen vorgebracht hat. Mit ihrer Wartenummer nimmt sie Platz zwischen den rund 30 weiteren Kunden im nur wenig anheimelnden Wartebereich im Flur des 1905 gebauten Rathauses.

Der Nächste bitte. „Ein Führungszeugnis? Für den Arbeitgeber?... Ach so, fürs Wirtschaftsamt.“ Jeder im Raum kann Zeuge des Dialogs werden. Von Diskretion keine Spur. Immerhin, zwei Mitarbeiter am Tresen vermitteln schnell an die richtige Stelle, ob es nun um eine Lohnsteuerkarte, eine amtliche Beglaubigung oder eine Parkvignette geht. Nur die Wartezeit zieht sich bis zu 45 Minuten hin. Gut ausgeschildert ist das Amt. Auch diverses Infomaterial über Charlottenburg gibt es, und das mehrsprachig. Besser gefallen hat uns das Bürgeramt Heerstraße 12–14. Auch dieser Anlaufpunkt in einem Altbau ist dank Riesenschild nicht zu verfehlen. Freie Parkplätze finden sich direkt vor der Tür, innen ist es etwas leerer als im Rathaus. Einen Fotoautomaten gibt es und eine Spielecke für die Kleinsten. Die freundliche und kompetente Beratung lässt vergessen, dass einige Möbel noch aus den 70er Jahren zu stammen scheinen. Auch hier gibt es viel Infomaterial über den Bezirk. Geduldig erklärt eine Mitarbeiterin, wie das Passfoto beschaffen sein muss. Doch man muss, wenn das Wartezimmer gefüllt ist, im Flur Platz nehmen. Die Heerstraße bietet auch Sonderberatungen an, darunter Rentenberatung für Angestellte und Rechtsberatung für Einkommensschwache. Die Seniorenvertretung ist donnerstags von 11 bis 13 Uhr zu sprechen.

Das modernste Gebäude finden die Bürger am Hohenzollerndamm 177. Das freundlich gestaltete Amt ist gut ausgeschildert und kurz vor 18 Uhr am Donnerstagabend rappelvoll. Bis zu einer Stunde wird es noch dauern, bis alle Anliegen abgearbeitet sind.

Während der langen Wartezeit kann man seine Jacke zivilisiert an einen Garderobenständer hängen. Erfrischungen bietet ein Getränkeautomat im Warteraum, wo die Luft allerdings reichlich verbraucht ist. Freundlich fragt die Mitarbeiterin an der Information: „Ihren Ausweis haben Sie dabei?“ Gleich im Zimmer neben der Anmeldung gibt es einen kleinen Copyshop.

Damit die Nord-Charlottenburger kurze Wege haben, hat das Bürgeramt eine Außenstelle am Halemweg. Der Kontrast ist groß: außen eine kastige Bausünde der 60er Jahre, drinnen die anheimelnde Atmosphäre einer Bibliothek. Kein Wunder, das Amt hat in der Bücherei der Anna-Freud-Oberschule sein Domizil. Sprechzeiten sind nur zweimal die Woche. Alles ist gut ausgeschildert, doch das ist auch nötig.

Richtig voll ist es selten und die Wartezeit entsprechend kurz. Im Wartebereich vor den zwei Schaltern liegen Kugelschreiber bereit, mit Bändchen am Tisch fixiert. Auch ein Kopierer ist vorhanden. Die Stühle sind gepolstert, der Teppichbelag auf dem Boden wirkt nicht mehr ganz taufrisch.

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