Zeitung Heute : Der Name Schumacher ist immer noch ein Reizwort

PARIS (sid).Der Mann ist gefragt wie Franz Beckenbauer in Deutschland.Den einen nennen sie den "Kaiser", sein Pendant in Frankreich "Platoche".Michel Platini, Präsident des französischen WM-Organisationskomitees, ist wie ein guter Bekannter, den man immer wieder trifft.In den WM-Wochen ist er "Monsieur Überall" und wird 54 der 64 Spiele besuchen.Der 43jährige steht für Erfolg im französischen Fußball.Erst der AS St.Etienne: Europapokal-Endspiel, was außer Stade Reims noch niemand geschafft hatte - und Reims hatte diesen Triumph in den 50er Jahren gefeiert.Dann die Nationalmannschaft, mit der er 1984 Europameister wurde.Platini war Denker, Lenker, Kapitän und Torschütze.Neun der 15 französischen Treffer in der Endrunde schoß er.

Daß Deutschland zweimal in einem WM-Halbfinale einen großen Triumph verhinderte, wurmt ihn heute noch ein wenig.Über den Zwischenfall bei der WM 1982 in Spanien, als der damalige deutsche Nationaltorhüter Toni Schumacher im Halbfinale gegen Frankreich den Franzosen Battiston mit einem Bodycheck niederstreckte, kann er sich heute noch aufregen.Vor allem, weil Schumacher nach dem brutalen Foul sich erst nicht entschuldigte und dann, als er sich doch noch zu einem Kommentar durchrang, nur zynisch meinte: "Ich kaufe ihm eine Jacketkrone." Erst auf einigen Druck hin besuchte Schumacher Battiston dann im Krankenhaus und bat um Vergebung.

Richtig traurig aber wird Platini, wenn er von seinem schlimmsten Spiel erzählt.Ausgerechnet er mußte im Finale um den Europapokal der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool im Brüsseler Heyselstadion für Juve einen Elfmeter zum entscheidenden Tor verwandeln.Zuvor hatte es bei Ausschreitungen rivalisierender Fans 39 Tote gegeben.Platini: "Du hast den Europapokal in Händen und kannst dich nicht freuen.Das war schlimm."

Als Frankreichs WM-Qualifikation für Italien 1990 zu scheitern drohte, wurde er - wie Beckenbauer - ohne Trainerdiplom "Teamchef".Das WM-Ticket konnte dennoch nicht gelöst werden.Doch bei der anschließenden Qualifikation für die EM in Schweden stellten Platinis Franzosen einen Rekord auf: acht Siege in acht Spielen.In Schweden folgte dann aber mit dem Aus in der Vorrunde die Ernüchterung, Platini warf das Handtuch: "Wir konnten uns auf ein Spiel konzentrieren.Wir waren aber keine Turniermannschaft."

Eine Gefahr, die er auch heute noch sieht für seine Franzosen.Nach außen gibt er sich neutral, doch innerlich fiebert er natürlich mit seinen Landsleuten mit.Käme Frankreich ins Finale, wüßte er, daß sich seine Arbeit gelohnt hat.

Am 13.Juli, wenn die Fußball-Fete vorüber ist, wird er eine große Leere in sich verspüren.Doch nach einem mehrwöchigen Urlaub bleibt er dem Fußball erhalten.Der neue FIFA-Präsident Sepp Blatter will ihn zum sportlichen Direktor machen.Platini soll die Interessen der Praktiker, der Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Ärzte einbringen.

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