Zeitung Heute : DER NEUAUFBAU DER DFB-AUSWAHL MUSS NUN BEGINNEN: Effenberg: "Aufgabe würde mich reizen"

BERLIN (sid/Tsp).Neue Leute braucht das Land.Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.Darüber ist man sich nach dem vorzeitigen WM-Scheitern in Lyon einig.Aber nicht nur neue Leute werden ins Spiel gebracht.Viele machen sich auch für eine Rückkehr Stefan Effenbergs in die DFB-Auswahl stark."Er ist der richtige Mann, um im Mittelfeld die Fäden zu ziehen", hat Franz Beckenbauer, Vorgänger von Vogts, erklärt.Effenberg selbst, der bei der WM 1994 von Vogts nach seinem "Stinkefinger" vorzeitig nach Hause geschickt wurde, stellte sich hinter den Bundestrainer und schloß eine Rückkehr in die Nationalelf nicht aus.

"Ich bin überzeugt, daß Vogts es richtig machen wird", sagte Effenberg beim Training des FC Bayern München in Rottach-Egern.Nicht nur Franz Beckenbauer fordert seine Rückkehr.Effenberg selbst scheint nur auf einen Anruf von Vogts zu warten: "Ich möchte mich nicht reinreden.Ich bin nicht der Retter des deutschen Fußballs, der Retter kann nur Berti Vogts sein.Die Aufgabe würde mich reizen, aber wenn Vogts ohne mich plant, geht die Welt auch nicht für mich unter." Vogts hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, daß eine Rückkehr Effenbergs für ihn nicht in Frage komme.Dabei ging es nicht nur um den "Stinkefinger".Vogts: "Wenn ich all das auf den Tisch legen würde, was in der Akte Effenberg steht, würde man mich verstehen."

Der Bundestrainer will sich verstärkt um junge Talente bemühen.Sogar die Einladung von Spielern, die in ihren Klubs nur die Nummer zwölf oder 13 sind, stellt Vogts in Aussicht.Eine Nationalmannschaft mit Feldhoff (Gladbach), Neuendorf (Hertha BSC), Zickler (FC Bayern), Reich (Kaiserslautern) - ist das die nähere Zukunft der DFB-Vorzeigeelf? "Wir dürfen jetzt nicht in Depressionen verfallen und sagen: Man muß völlig neu aufbauen.Einige ältere Spieler werden auch bleiben müssen", warnte Franz Beckenbauer davor, nach dem WM-Schock nun radikal Jung gegen Alt auszutauschen.

Schon in 13 Wochen steht mit dem EM-Qualifikationsspiel in der Türkei wieder der Ernst an, als Probe gibt es zuvor lediglich eine Trainingsreise Anfang September mit Spielen gegen Malta und Rumänien.So muß sich Vogts erst einmal intensiv damit beschäftigen, die Lücken nach dem Abgang der Oldies zu schließen.Die 90er Weltmeister Klinsmann, Matthäus und Kohler gaben in Frankreich ihre Abschiedsvorstellung.Köpke, Thon ("Zu 99 Prozent") und Möller ("Meine Tendenz geht klar zum Aufhören.Das Buch wurde gegen Mexiko zugeschlagen") haben laut über das Ende ihrer Auswahl-Karriere nachgedacht.Häßler, Kirsten, Helmer, Marschall und Reuter könnten das "Abschieds-Kontingent" noch erhöhen.

Das Viertelfinal-Aus gegen Kroatien ist auch statistisch betrachtet nur die Konsequenz des dargebotenen Mittelmaßes.In der Datenbank des Weltverbandes (FIFA) vor den Halbfinals rangiert das gescheiterte Europameister-Team überwiegend unter ferner liefen oder belegt nur in Negativ-Aufstellungen einen Platz in der Spitzengruppe.Lediglich Torjäger Oliver Bierhoff liegt in der Kategorie der schußfreudigsten Stürmer (inklusive Kopfbälle) mit 25 Versuchen in fünf Spielen zusammen mit dem Kroaten Davor Suker auf dem zweiten Platz.Öfter Maß nahm nur der Argentinier Gabriel Batistuta (Argentinien) mit 27 Schüssen.Doch nur neun Schüsse Bierhoffs gingen in Richtung Tor - Rang acht.Den Spitzenwert erreichte Alan Shearer: 13 torgefährliche Bälle fabrizierte der Engländer bei 16 Versuchen.

Bei Fouls hingegen steht das deutsche Team ganz vorn: Es beging wie auch die Franzosen 95 Fouls.Härter oder unfairer ging nur Argentinien mit 97 Foulspielen zu Werke."Böser Bube" im Vogts-Kader war Dietmar Hamman mit 15 Foulspielen und Rang fünf in dieser Wertung.

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