Zeitung Heute : Der Osten

-

Die Versorgungsschwierigkeiten in der DDR verschärfen sich: Im 1. Quartal 1953 bleiben die Produktionsergebnisse in der Nahrungs und Genussmittelindustrie um zehn Prozent hinter den Erwartungen zurück. Weil Reserven fast aufgebraucht und der rechtzeitige Transport des Frühjahrsgemüse nicht funktioniert, bedroht die Versorgungskrise vor allem die „nicht privilegierten Bevölkerungsteile mit Hunger“, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem Wochenbericht vom 8. Mai 1953.

Am 26. Januar 1953 kündigt die Handelsorganisation (HO) ein Sonderangebot von Industriewaren unter dem Motto „Qualität und Preis entscheiden“ an. Aber die Preise der Waren liegen im Verhältnis zu den Einkommen viel zu hoch. Der Grund: Der Staat hat die HO-Waren mit so hohen Verbrauchssteuern belegt, dass sie ein Vielfaches des Herstellungswertes ausmachen.

Zur Weihnachtszeit 1952 müssen Ostdeutsche für ein Kilogramm Weizenmehl 1,70 Ostmark bezahlen. Der Zuteilungspreis für ein Liter Milch beträgt 0,80 und für ein Kilogramm Margarine 2,20 Mark. Alles, was über die Zuteilungsrationen hinausgeht, muss in den HO-Läden teuer erstanden werden: Dort werden zwei Ostmark für Milch und acht Ostmark für Margarine verlangt. Damenstrümpfe sind rund 800 Prozent teurer als im Westen. Der Butterverzehr lag 1953 in der DDR mit 7,3 Kilo pro Kopf unter dem Verbrauch im schlimmsten Jahr der Weltwirtschaftskrise.

Die Konsumgüter in der DDR sind mit den westdeutschen Waren nur bis zur mittleren Qualität zu vergleichen. Hohe Qualitäten sind in der Regel überhaupt nicht zu bekommen. Außerdem ist das gesamte Warenangebot in der DDR, wenn auch mit den Jahren eine Verbesserung der Versorgung erreicht werden kann, unzureichend. Vor allem in den kleineren Orten und Landgemeinden aber auch in den größeren Städten ist es unregelmäßig. Selbst die Rationsmengen können nicht immer fristgerecht verteilt werden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar