Zeitung Heute : Der politische Preis (Kommentar)

jbh

Nein, die Höhe der Rundfunkgebühren ab 2001 steht noch nicht fest. Ja, ARD und ZDF bekommen mehr Geld. Ein Plus von vier Mark und damit 32,25 Mark im Monat soll jeder Haushalt für öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen bezahlen, lautet die Vorhersage. Sender und Medienpolitiker dementieren aufgeregt - die Höhe, nicht die Erhöhung. Und werden es schließlich nur 3,25 Mark mehr, so ist die Verblüffung doch groß über das Ausmaß. ARD und ZDF werden Einsparungen und Personalabbau bescheinigt, sie wirtschaften effizienter, und dann kommt eine Erhöhung der Gebühren, als ob die erheblichen Spar-Anstrengungen mit einem satten Gebührenplus belohnt werden müssten. Das Signal ist falsch, unterläuft es doch alle Bemühungen, dass der Rundfunkteilnehmer weniger schmerzhaft zur Ader gelassen werden soll. Ist die 30-Mark-Grenze überschritten, sinkt die Zustimmung zum öffentlich-rechtlichen System. Der Widersinn der umfangreichen Gebührenerhöhung erklärt sich vor allem aus der Mesalliance zwischen Funkhäusern und Politik. Eines ist ARD und ZDF in den letzten Jahren hervorragend gelungen: die Politiker, die über die Höhe der Rundfunkgebühren zu beschließen haben, für sich einzunehmen. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sitzen sie in der allerersten Reihe. Das erzeugt Dankbarkeit und die Neigung zur Großzügigkeit. Man will ja wieder kommen.

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