Zeitung Heute : Der Reiz, der durch die Kälte kam

Die Samen zahlreicher Stauden und Sommerblumen keimen nur, wenn sie niedrigen Temperaturen ausgesetzt waren – also ab in die Erde damit.

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Blau machen. Zu den Kaltkeimern zählen auch viele Stauden – zum Beispiel der Enzian. Damit die Aussaaten während der schneelosen Zeit nicht austrocknen, müssen sie feucht gehalten werdenFoto: Tassilo Wengel
Blau machen. Zu den Kaltkeimern zählen auch viele Stauden – zum Beispiel der Enzian. Damit die Aussaaten während der schneelosen...

Die Anzucht von einjährigen Sommerblumen und Stauden ist eigentlich durch Aussaat im Frühjahr üblich. Es gibt aber auch zahlreiche Arten, die besser im Herbst ausgesät werden. Die Samen benötigen zur Keimung einen Kältereiz, wie er an ihren ursprünglichen Heimatstandorten durch längere Frost- und Schneeperioden hervorgerufen wird. In unseren Breiten sorgen die niedrigen Wintertemperaturen dafür.

Früher als Frostkeimer bezeichnet, hat sich seit einigen Jahren der Begriff Kaltkeimer eingebürgert. Der Grund ist, dass nicht alle dieser Arten zur Keimung Temperaturen im Frostbereich unbedingt benötigen. Manche Arten keimen auch dann gut, wenn sie einige Wochen nur niedrigen Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt ausgesetzt sind.

Herbstaussaat ist bei einigen einjährigen Sommerblumen sinnvoll. Sie werden im Garten an Ort und Stelle ausgesät und keimen dann im Frühling bei steigenden Temperaturen gut und gleichmäßig. Dazu gehört der Kalifornische Goldmohn (Eschscholzia californica), der mit seiner Blüte das kalifornische Wappen ziert. Er besiedelt in der Sonora-Wüste von Kalifornien bis Arizona große Flächen und besticht durch die leuchtenden gelben oder orangen Farbtöne der Blüten über dem feingliedrigen, zerschlitzten Laub. Durch Einkreuzen anderer Arten entstanden in den letzten Jahren auch Sorten mit roten bis rosafarbenen und weißen Blüten. Der Goldmohn liebt einen vollsonnigen Standort und durchlässigen Boden mit gutem Wasserabzug.

Herbstaussaat ist auch für die Doldige Schleifenblume (Iberis umbellata) zu empfehlen. Sie wird 25 bis 30 Zentimeter hoch und trägt mehrere Blüten in einer schirmförmigen Doldentraube, die bei der Wildart vor allem lilarot oder purpurn sind. Im Handel werden meist Mischungen angeboten, bei denen neben Farbnuancen von Rosa bis Purpur auch weiße Blüten vorhanden sind.

Schon seit dem Mittelalter wird der Schwarzkümmel (Nigella damascena) in den Gärten kultiviert, der die gleichen Ansprüche stellt. Bei uns ist diese hübsche Pflanze auch unter den Namen Jungfer im Grünen oder Gretel im Busch bekannt. Die Pflanze wird 40 bis 50 Zentimeter hoch und trägt endständig einzelne hell- oder dunkelblaue, auch weiße Blüten und ist in Mischungen mit einfachen oder gefüllten Blüten im Handel. Aus der Blüte entwickelt sich eine attraktive Frucht in Form einer aufgeblasenen Kapsel mit kleinen Hörnern, die sehr gern für Sträuße oder Gestecke verwendet wird.

Einen Kältereiz benötigen auch die Samen von Wildkräutern wie Klatschmohn, Kornblume oder Feldrittersporn. Der Klatschmohn (Papaver rhoeas) wird seltener als Wildart angeboten, sondern ist vor allem in seiner Gartenform als Shirlei- oder Seidenmohn im Handel. Schon seit dem Mittelalter verbreitet, reicht das Spektrum der Blüten von Weiß- bis Rottönen und es gibt einfach oder gefüllt blühende Pflanzen. Angeboten wird er in Mischungen, die auf nährstoffreiche, nicht zu nasse Böden gesät werden. Hat sich der Mohn einmal angesiedelt, macht er jedes Jahr an anderer Stelle mit seinen leuchtenden Blüten auf sich aufmerksam.

Von der wilden Kornblume (Centaurea cyanus) gibt es inzwischen zahlreiche Gartensorten, die neben dem leuchtenden Blau der Wildart Blüten in Weiß, Rosa und Rot offerieren. Fast einen Meter Höhe erreicht sie dann und trägt an gut verzweigten Pflanzen zahlreiche Blütenstiele. Für Blumenbeete gibt es Sorten mit 20 bis 40 Zentimetern Höhe, die sich im Vordergrund zwischen niedrigen und halbhohen Stauden bewährt haben.

Auch der Sommerrittersporn (Consolida ajacis) mit seinen lang gespornten Blüten an vielblütigen Trieben ist eine recht attraktive Pflanze, denn sie kann bis zu 120 Zentimeter Höhe erreichen. Der Blütenstand ähnelt einer Hyazinthe und wartet mit weißen, blauen oder rosafarbenen Blüten auf.

Schließlich zählen zu den Kaltkeimern viele Stauden wie Adonisröschen (Adonis vernalis), Mannsschild (Androsace), Winterling (Eranthis), Glockenblumen (Campanula), Enzian (Gentiana), Christrose (Helleborus), Ranunkel (Ranunculus), Steinbrech (Saxifraga), Trollblume (Trollius) und alpine Primeln (Primula). Die Aussaat erfolgt in Töpfe oder Schalen, die in einem kalten Kasten (offenes Frühbeet) aufgestellt werden. Damit die Aussaaten während der schneelosen Zeit nicht austrocknen, müssen sie feucht gehalten werden; auch ein ungeheiztes Kleingewächshaus eignet sich. Liegt Schnee, sollte man die Gefäße auch im Gewächshaus damit bedecken.  Tassilo Wengel

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