Zeitung Heute : Der sanfte Tod

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Knapp 61 Kilo Fleisch und Wurst verzehrt ein Bundesbürger im statistischen Durchschnitt pro Jahr – das sind 165 Gramm am Tag. Kostete 1950 in Deutschland ein Kilo Schweinefleisch noch 1,6 Prozent des monatlichen Nettoverdienstes, waren es 2002 nur noch 0,28 Prozent.

Wer Tiere in den Thönes Natur-Verbund liefert, muss strenge Auflagen einhalten – tut er es nachweislich nicht, drohen saftige Geldstrafen und der Ausschluss aus dem Bündnis.

Gefordert werden: luftige, oftmals halb offene Ställe mit Tageslicht und Stroh ; keine schmerzhaften Spaltenböden; wann immer möglich Weidehaltung; Tierfutter zu mindestens 80 Prozent aus eigener Erzeugung (oder aus der des Hofnachbars) und immer ohne Tiermehl, Antibiotika und Wachstumsförderer; pestizidfrei erzeugtes Grünfutter; nicht mehr Tiere pro Hof als Boden und Grundwasser vertragen.

Der Transport zum Thönes-Schlachthof erfolgt über kurze Distanzen. Die Transportfahrzeuge sind mit Stroh eingestreut und haben getrennte Boxen, so dass untereinander vertraute Tiergruppen bis zuletzt zusammenbleiben können, was beruhigend wirkt. Das Antreiben der Schlachttiere durch Stöcke oder Stromschläge ist verboten; auch im Schlachthof sind nur Treibbretter erlaubt, mit denen die Tiere lediglich gelenkt werden.

Thönes-Schlachter betäuben Schweine nicht mit Kohlendioxid, sondern mit einem Hirn-Stromschlag. „Das dauert nur vier, fünf Sekunden, die Tiere sind vollkommen entspannt“, sagt Thomas Thönes. Im Kohlendioxid-Bad hingegen ziehe sich der „Betäubungskampf“ über 25 bis 30 Sekunden hin und sei beim Einatmen des Gases „sehr schmerzhaft“. Zusätzlich werden Thönes-Schweine mit einem Stromschlag in der Herzgegend betäubt. „Das löst Herzkammer-Flimmern aus, so dass die Tiere sehr schnell ausbluten und der Tod noch rascher eintritt“, sagt Thomas Thönes.

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