Zeitung Heute : Der Schlemmer im Schloss

Rheinsberg, Lieblingsort des jungen Regenten, präsentiert sich heute fast im Zustand von 1740.

Freier Rundblick. Schloss Rheinsberg ist ganz frisch restauriert. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Freier Rundblick. Schloss Rheinsberg ist ganz frisch restauriert. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Fund im Schutt unter den Dielen des Spiegelsaals lieferte den endgültigen Beweis: Als Kronprinz ließ es sich Friedrich gerade in Rheinsberg ausgesprochen gut gehen. Denn die Restauratoren stießen vor kurzem auf mehr als 200 Jahre alte Reste, die zum größten Teil aus Schalen einer Delikatesse bestanden: Austern. Der Kronprinz dürfte also die Meeresfrüchte genüsslich geschlürft haben, als die Bauleute das Schloss eben nach seinen Vorstellungen herrichteten.

Zwischen 1736 und 1740 verlebte Friedrich dort seine glücklichsten Jahre. „Ich reise ab, um nach Rheinsberg zurückzukehren; da ist mein Sanssouci“, schrieb er 1737 in einem Brief. Erstmals verwendete er damals den Begriff, der später als Name für sein Potsdamer Weinbergschloss weltberühmt werden sollte. „Rheinsberg setzte ihm tatsächlich keine Grenzen“, erklärt der Kustos des Schlosses, Detlef Fuchs. „Der Spiegelsaal und auch der Blick aus den Fenstern auf den weiten See vermittelten eben ein Gefühl von Unendlichkeit.“

Den Spiegelsaal erleben die Besucher nach rund anderthalbjähriger Restaurierung erstmals wieder im Zustand von 1740. Dazu gehören die Dielen, die unter einem Parkettboden an einer anderen Stelle im Schloss entdeckt worden waren. Nach der Vorlage eines 1912 gefertigten Fotos gelang die Reparatur. Dennoch waren auch im zweiten Geschoss nicht alle Zeichen der jüngeren Vergangenheit zu tilgen: Kleine Löcher zeugen von der Montage mehrerer Lautsprecher in den fünfziger Jahren, als das Schloss zum Diabetikerheim umfunktioniert war. Die größten Schäden hatte die Bausubstanz aber kurz nach dem Kriegsende erlitten, als es erst sowjetische Kommandantur, dann Lehrlingsschlafsaal und Polizeischule war.

Vom 4. August an widmet sich die Ausstellung „Friedrich ohne Ende“ dem „Werden des jungen Friedrich zum König“. Außerdem erleben Besucher die Nachwirkungen von Friedrich in der Literatur, im Theater und anderen Branchen. Auch Kurt Tucholskys Werk „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“ spielt eine Rolle. Schließlich erschien die Erzählung ausgerechnet 1912, im 200. Jahr nach der Geburt Friedrichs II. Ste.

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