Zeitung Heute : Der schwere Weg zum Wasser
20.09.2008 00:00 UhrTrotz Klimadebatte ist die Beliebtheit von Geländewagen ungebrochen. Wie sich die freizeittauglichen Offroadfahrzeuge auch als Zugpferde einsetzen lassen, hat jetzt der Automobilclub ADAC getestet: Sechs Mittelklasse-SUVs traten mit angehängtem Wohnwagen gegeneinander an. Für Bootstrailerfahrer ist dieser Vergleich ebenfalls wichtig. Mag das Fahrverhalten des Zugfahrzeugs allein noch so vertraut sein: Ein Gespann hat deutlich andere Fahreigenschaften als ein solo fahrendes Auto. Es ändert sich drastisch, wenn ein Bootsanhänger am Haken ist.
Ein Zugfahrzeug muss ausreichend Leistung haben. Denn bei 80 Stundenkilometern verdoppelt sich der Rollwiderstand und der Kraftstoffverbrauch steigt entsprechend.
Grundsätzlich gilt, dass eine hohe Motorleistung Reserven auf Bergstrecken und für das Überholen bietet. Mercedes-Benz beispielsweise empfiehlt 25 bis 30 kW (34 bis 41 PS) Kraft je Tonne Gesamtgewicht, also inklusive Boot, Trailer, Gepäck und Passagieren, um sicher und komfortabel unterwegs zu sein.
Das Ergebnis des ADAC-Tests ist durchwachsen: Nur zwei Modelle erhielten das Urteil „gut“, der Rest fährt im Mittelfeld. Das harsche Gesamturteil lautete: „Wenig Klasse in der Mittelklasse“.
Ganz vorne positioniert sich Volkswagen: Mit einem 1600 Kilogramm schweren Caravan am Haken zieht der VW Tiguan an der Konkurrenz vorbei. Bei insgesamt noch moderatem Verbrauch hat der Testsieger nach Aussage der Tester Lob verdient – vor allem für die wegklappbare Anhängevorrichtung, das Anhänger erkennende Fahrstabilitätsprogramm, die Hill-Hold-Funktion und die elektromechanische Feststellbremse. Einziger Mangel ist die fehlende Ladestromleitung der Anhängersteckdose.
Auch der BMW X3 erhält das Testurteil „gut“. Sein Verbrauch liegt etwas höher als beim Tiguan, und die Größe des Kofferraums ist nur mittelmäßig. Sein hohes Sicherheitsniveau und das Anhänger erkennende ESP bringen dem BMW einen zweiten Platz ein. Bestnoten gibt es für das Anfahren am Berg: Mit der Hill- Hold-Funktion erklimmt der X3 eine 18-prozentige Steigung mühelos.
Im luxuriösen SUV-Segment, das vom ADAC nicht getestet wurde, überzeugt die GL-Klasse von Mercedes aber im Selbsttest auf und abseits der Straße. Besonders sparsam ist der GL 320 CDI mit 224-PS-V6-Aggregat. Mit serienmäßiger Luftfederung lässt sich das Heck des GL zum An- oder Abkuppeln absenken.
Die anderen Testkandidaten liefern dagegen nur befriedigende Ergebnisse. In dieser Gruppe liegt der Outlander von Mitsubishi vorne. Das Fahrzeug bietet eine vorbildliche Verkabelung der Anhängersteckdose, mangels Anhänger- ESP aber wenig Fahrstabilität. Auch das Anfahren am Berg fällt dem Outlander- Gespann schwer.
Der Opel Antara bietet im Test durchgängig Mittelmaß. Einzig das Anhängerprogramm im ESP kann überzeugen. Der Hyundai Santa Fe ist ein Lastentier, was die Kofferraumgröße und maximale Zuladung angeht. Sein Verbrauch im Gespannbetrieb ist mit 13,8 Litern deutlich zu hoch. Das Schlusslicht im Test ist der Honda CR-V: Fahrkomfort, Zuladung und Anhängevorrichtung sind nach Meinung der ADAC-Prüfer „sehr verbesserungsfähig“, auch die Fahrstabilität kann trotz Anhänger-ESP nicht überzeugen.
Unabhängig vom Testergebnis bemängelt der Autoklub offenbar immer wieder auftauchende Probleme bei den Anhängersteckdosen. Hier kann nur der Outlander punkten, der als einziges Fahrzeug im Test über eine Vollverkabelung mit Dauerplus und Ladestromleitung verfügt. Auch ein Anhänger erkennendes ESP gehört noch nicht zur Standardausrüstung: Hier besteht Nachholbedarf vor allem bei Hyundai und Mitsubishi.
Vor der ersten Reise gilt es, sich mit der Kombination aus Zugfahrzeug und Anhänger vertraut zumachen. Das geht am besten auf einem verkehrsfreien Gelände oder beim Fahrsicherheitstraining. Dort wird dabei klar: Das Anfahren ist schwieriger, die Beschleunigung ist schlechter, und Kurven erfordern einen größeren Radius. Auch der Bremsweg ist länger. Deshalb sollte der ungeübte Fahrer das Notbremsverhalten des gesamten Zuges ausprobieren. Beim Rangieren sind die ungewohnten Dimensionen zu berücksichtigen: Mit dem Boot hinten dran ist man länger, höher und breiter. Auch Rückwärtsfahren und Einparken sollten geübt werden, wenn man beim Rasten oder Abslippen nicht verzweifeln möchte.
Für das Fahren im Gespann bieten Verkehrsclubs wie der ADAC und der ACE spezielle Sicherheitstrainings an. Informationen im Internet: ww.ace-online.de und www.adac.de/fahrsicherheitstraining








