Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Auch Bremsflüssigkeit hält nicht ewig

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Um den Verschleiß von Bremsen und den rechtzeitigen Wechsel der Bremsbeläge ging es in unserem letzten Sicherheitstipp. Ergänzend weisen wir noch darauf hin, dass es heute bereits in vielen Fahrzeugen eine Bremsbelags-Verschleißanzeige gibt, die darüber informiert, wann ein Wechsel der Beläge nötig ist. Eine Empfehlung, die man dann auch umgehend befolgen sollte. Abschließend sagten wir, dass man auch daran denken muss, dass neben Bremsbelägen, Bremstrommeln und Bremsscheiben auch die Bremsflüssigkeit ein "Verschleißteil" ist, das regelmäßig gewechselt werden muss.

Tut man das nicht, dann kann es einem gehen wie jenem Wohnmobilfahrer, der mit seinem gemieteten Fahrzeug alles andere als schnell, aber schon eine halbe Stunde bei starkem Gefälle unterwegs war und dabei öfter einmal kräftig auf die Bremse treten musste. Nach einem kurzen Zwischenstopp für einen Blick in die Karte fuhr er wenige Minuten später weiter, dann passierte es: Bei einem kräftigen Tritt auf die Bremse trat er ins Leere. Die Bremsen, die bislang anstandslos funktioniert hatten, ließen ihn im Stich. Der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug wurde kürzer und kürzer und schon krachte er in dessen Heck.

Das plötzliche Bremsversagen war auf den ersten Blick unerklärlich. Der Bremsflüssigkeitsstand war in Ordnung, das Bremssystem zeigte kein Leck und Bremsbeläge und Bremsscheiben und -trommeln waren in Ordnung. Doch als ein Gutachter die Bremsflüssigkeit prüfte, war das Rätsel schnell gelöst - sie war schlicht "überaltert", hätte schon längst getauscht werden müssen.

Bei Bremsflüssigkeit geht es um einen Verschleiß einer ganz besonderen Art. Denn sie nimmt begierig Wasser auf, ist hygroskopisch. Für die Feuchtigkeit aus der Umgebung sind die Bremsschläuche keine unüberwindliche Barriere, so dass Wasser in winzigen Mengen ins Bremssystem diffundiert. Diese Feuchtigkeit wird von der Bremsflüssigkeit aufgenommen. Dabei verändern sich ihre Eigenschaften. Denn je mehr Wasser sie aufnimmt, desto tiefer sinkt ihr Siedepunkt.

Siedet neue Bremsflüssigkeit bei 205 Grad, so sinkt dieser Wert bei einem Wassergehalt von rund 3,5Prozent auf 140 Grad Celsius. Wird nun, etwa bei einer Gefällefahrt, die Bremse stark beansprucht und entsprechend heiß, dann kann die Bremsflüssgkeit in den Radbremszylindern so weit aufgeheizt werden, dass sie zu sieden beginnt. Und aus dem Wasser bilden sich dann Dampfblasen. Dann allerdings ist auch beim kräftigsten Tritt aufs Bremspedal keine Bremswirkung mehr zu erzielen.

Es ist also alles andere als eine für die Werkstätten erfreuliche "Masche" zum Geldverdienen, wenn Fachleute fordern, die Bremsflüssigkeit spätestens alle zwei Jahre komplett zu erneuern. Wer mit einem älteren Gebrauchten unterwegs ist, der schon lange keine Werkstatt mehr gesehen hat, sollte auch die Bremsflüssigkeit prüfen lassen. Zwar ist "überalterte" Bremsflüssigkeit beim normalen Kurzstreckenverkehr in der Stadt kein so großes Problem. Doch wenn man bei der ersten starken Beanspruchung der Bremsen etwa im Gebirge plötzlich ins Leere tritt, dann ist es zu spät.

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