Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Rücksicht, Rücksicht und Rücksicht

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Ein Glück eigentlich, dass unsere modernen Autos heute richtige Allwetterautos sind. Denn man kann sie ohne Probleme unter allen denkbaren Wetterbedingungen benutzen. Das hilft in Zeiten, in denen das Wetter so extrem schwankt wie in den letzten Tagen, als sich arktische Kälte und fast frühlinghaftes Wetter in raschem Wechsel ablösten. Wichtigste Voraussetzung in diesen Tagen ist dabei, dass das Fahrzeug rundum auf Winter vorbereitet ist. Denn dann kann es auch nicht passieren, dass bei plötzlichem Wetterumschwung plötzlich die Scheibenwaschanlage einfriert oder gar der Motor mangels Frostschutz platzt.

Nicht so problemlos allwettertauglich wie ihre Autos sind offensichtlich viele ihrer Lenkerinnen und Lenker. Zwar können Menschen grundsätzlich sowohl in den Tropen als auch bei arktischer Kälte existieren. Doch so heftige Wetterwechsel, wie wir sie in den letzten Tagen erlebten, haben offenbar ihre Einflüsse auf Gemüt und Kondition vieler Autofahrer. Bei vielen registriert man derzeit überhöhte Müdigkeit und Unaufmerksamkeit. Beides sollte allerdings nicht das Verhalten im Straßenverkehr beeinträchtigen.

Wer sich derzeit besonders schlapp fühlt, sollte, wenn er sich in diesem Zustand überhaupt ans Steuer setzt, dann auch alle Sinne zusammennehmen und sich konzentrieren. Das gilt schon beim Ausfahren aus der Parklücke. Nur Gang einlegen, Lenkung einschlagen, vielleicht noch blinken und dann einfach losfahren, das reicht nicht - es sein denn, für einen Unfall. Bevor man das Fahrzeug bewegt, gilt es sich rundum über das aktuelle Verkehrsgeschehen zu informieren. Nach vorn und seitwärts mit direktem Blick durch die Scheiben, nach hinten mit Hilfe der Spiegel. Erst wenn man sicher ist, dass die Fahrbahn auch wirklich frei ist, darf man losfahren.

Rücksicht beim Losfahren bedeutet aber nicht nur im Sinne des Wortes nach hinten zu blicken, sondern auch im übertragenen Sinne Rücksicht zu nehmen. Und das heißt abzuwarten, wenn sich von hinten Fahrzeuge nähern. Leider halten sich immer mehr Autofahrer nicht an diese so einfache Grundregel, fädeln sich ziemlich rücksichtslos in den fließenden Verkehr ein und provozieren damit unfallträchtige Situationen. Das gilt leider auch immer öfter für den Spurwechsel, bei dem viele so kurzfristig ausscheren, dass der Nachfolgeverkehr richtig Mühe hat, einen Unfall zu vermeiden. Und es genügt zum Beispiel beim Spurwechsel auch nicht, den Blinker zu setzen und darauf zu vertrauen, dass die Nachfolger sich schon darauf einstellen werden. Man muss sich vorher überzeugen, ob das Fahrmanöver, das man vorhat, in der aktuellen Situation auch möglich ist.

Rücksicht hat aber noch eine weitere Dimension. Gerade im dichten Stadtverkehr zu den Hautptverkehrszeiten hat man manchmal große Probleme, aus einer Einfahrt oder einer Parklücke in den fließenden Verkehr hineinzukommen. Wer hier merkt, dass ein anderer Autofahrer solche Probleme hat, der vergibt sich nichts, wenn er kurz anhält und dem anderen eine Chance gibt. Voraussetzung bei all dem ist allerdings, dass man dabei Blickkontakt hat, sich verständigen kann - eine der einfachsten Formen der Kommunikation, die vielen Autofahrern mehr und mehr abhanden zu kommen scheint.

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