Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Seitenwind wird meist unterschätzt

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Komplette Lastzüge, die vom Sturm von der Fahrbahn gedrängt oder gar umgekippt wurden - solche Bilder konnten man in den letzten Tagen und Wochen öfter im Fernsehen sehen. Und es fällt immer wieder schwer sich vorzustellen, wie gewaltig die Energien eines kräftigen Sturms sein können. Denn zum Glück gehören wir nicht zu den von regelmäßigen Hurrikanen bedrängten Regionen dieser Welt, die es längst lernen mussten, mit solchen Naturgewalten umzugehen.

Wer allerdings bei uns in solchen Ausnahmesituationen wie extremen Stürmen mit Orkanböen mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich genau überlegen, ob er seine Fahrt unbedingt fortsetzen muss. Denn das Risiko, bei starkem Sturm von einer heftigen Bö aus der Richtung geworfen zu werden, ist erheblich. Und es wird umso größer, je schneller man sich mit seinem Fahrzeug bewegt. Wer irgenwie kann, sollte deshalb das Auto lieber stehen lassen und eine Pause einlegen, bis das Schlimmste vorbei ist.

Doch nicht nur extreme Winde können Autofahrern unangenehme Überraschungen bescheren. Denn auch ein kräftig zupackender Seitenwind mit erheblich niedrigeren Windgeschwindigkeiten kann ein Fahrzeug erheblich zur Seite versetzen. So reichen bereits knapp 75 km/h Windgeschwindigkeit, um ein mit Tempo 100 fahrendes Auto um einen glatten Meter zu versetzen. Und bei Tempo 140 kann das bei gleicher Windgeschwindkeit bereits vier Meter ausmachen. Das ist eine Gefahr, die von den meisten Autofahrern überhaupt nicht ernst genommen und deshalb völlig unterschätzt wird.

Und darum passiert es dann auch immer wieder, dass heftige Windböen die Fahrzeuglenker regelrecht erschrecken viel zu heftige Lenkreaktionen provozieren. Und dann ist es für einen ungeübten Fahrer nicht mehr weit bis zu dem Punkt, an dem er die Kontrolle über sein Auto verliert. Wer mit dem Fahrzeug von einer Windbö erfasst wird, muss besonnen bleiben, darf nicht abrupt gegenlenken und sollte auch sanft mit der Bremse umgehen.

Ist Wind angesagt, dann sollte man während der Fahrt auf alle Zeichen am Straßenrand achten, die starken Seitenwind signalisieren. Das können heftige Bewegungen von Bäumen und Gräsern sein - die allerdings bei kahlen Bäumen sehr viel sanfter ausfallen als wenn die Bäume belaubt sind. Sehr ernst nehmen sollte man prall gefüllte Windsäcke auf Brücken. Und immer auf einen kräftigen Windstoß gefasst sein muss man am Ende von Tunnelausfahrten und hohen Schallwänden und bei Schneisen im Wald. Vorbereitet sein muss man hier aber nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch - indem man nämlich das Lenkrad fest mit beiden Händen hält.

Gefahr droht bei kräftigem Wind aber auch von einer ganz anderen Seite. Denn der Wind reißt manchen Ast von den Bäumen und lässt ihn auf die Fahrbahn fallen - und manchmal erwischt es sogar einen kompletten Baum. Deshalb ist es bei heftigerem Wind angebracht, langsam zu fahren, sodass man solchen Hindernisssen problemlos ausweichen oder notfalls vor einem kräftigerem Hindernis noch rechtzeitig bremsen kann.

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