Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Verschlissene Gurte müssen ersetzt werden

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Erst gurten, dann starten - das ist eine der Grundregeln für jeden Autofahrer, von der es eigentlich keine Ausnahmen geben sollte. Dennoch sind viel zu viele Autofahrer immer noch sogenannte Gurtmuffel, die insbesondere im Stadtverkehr meinen, ohne die schützende Wirkung des Gurts auskommen zu können. Dabei ahnen die wenigsten, welche enormen Kräfte selbst schon bei Unfällen mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten freigesetzt werden.

Denn selbst beim abrupten Abbremsen aus Tempo 10 können Verzögerungskräfte von bis 10 g - also dem Zehnfachen der Erdbeschleunigung - auftreten. In praktische Werte übersetzt heißt das, dass der

75 Kilo schwere Fahrer mit einer Gewalt von bis zu 750 Kilo in die Gurte drückt. Liegen die ordentlich an, dann wird er dabei selbstverständlich sicher gehalten. Doch nach einem solchen Manöver haben die Gurte ihre Pflicht dann auch getan. Und das gilt noch mehr, wenn die Aufprallenergien noch höher waren. Denn wenn die Gurte eine schwere Masse auffangen, werden sie dabei gedehnt. Und dann sind sie für den weiteren Einsatz unbrauchbar. Unbrauchbar werden bei schwereren Unfällen zudem auch die pyrotechnischen Gurtstraffer und die Gurtkraftbegrenzer. Kurzum, nach einem Unfall hat das komplette Gurtsystem ausgedient und muss erneuert werden.

Aber nicht nur Unfälle, und dabei schon relativ leichte, machen die Gurte unbrauchbar. Auch der normale Gebrauch lässt die Gurte langsam verschleißen. Beginnen die Gurte zum Beispiel an den Rändern auszufransen oder zeigen sich Einstiche, Knickstellen oder gar mehrere Millimeter tiefe Einrisse, dann ist ein solcher Gurt verschlissen und muss ersetzt werden.

Auf einen verschlissenen Gurt weisen Anschmelzspuren, Reibstellen und eine wellige Oberfläche hin, die durch starke Belastung des Gurtes bei einem Unfall entstanden sein können. Hierauf sollten insbesondere die Käufer gebrauchter Fahrzeuge achten. Und wenn sie nicht sicher sind, ob die Gurte noch funktionsfähig sind, sollten sie fachlichen Rat einholen.

Ebenfalls nicht mehr tauglich ist ein Gurt, der schon beim langsamen Herausziehen aus dem Aufrollautomaten blockiert. Übrigens warnen Sachverständige davor, in solchen Fällen den Automaten zu öffen. Der steht nämlich unter Federspannung, so dass ein gut gemeintes Do-it-yourself buchstäblich ins Auge gehen kann.

Was für die Gurte des Fahrzeugs gilt, gilt entsprechend natürlich auch für Kindersitze. Wenn die bei einem Unfall besetzt waren, ist natürlich auch deren Gurtsystem gedehnt worden. Dann bietet es nicht mehr den nötigen Schutz, so dass man einen solchen Sitz sicherheitshalber ersetzen sollte.

Die Kosten für Ersatzgurte und deren Einbau sowie für bei einem Unfall unbrauchbar gewordene Kindersitze werden Autofahrern, die schuldlos in einen Unfall verwickelt wurden, von der gegnerischen Versicherung erstattet. Aber auch dann, wenn die Versicherung nicht zahlt, sollte man nicht am falschen Ende sparen und umgehend für Ersatz sorgen.

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