Zeitung Heute : Der Sicherheits-Tipp: Zurückblicken und die Breite des Autos kennen

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Das war mehr als knapp! Und als die Gefahr bewältigt war, begannen uns plötzlich die Knie zu zittern - mussten wir eine kurze Pause am Straßenrand einlegen. Wir fuhren mit normalem Stadttempo die Straße entlang. Da schob sich aus einer Parklücke ein Fahrzeug heraus. So langsam, dass wir annehmen konnten, sein Lenker habe uns gesehen und lasse uns passieren. Doch offenbar hatte er keinen Blick nach hinten geworfen. Denn für uns unerwartet fuhr das Fahrzeug kurz bevor wir es erreichten los, schnitt uns den Weg ab. Zum Glück herrschte auf der nicht gerade breiten Straße kein Gegenverkehr. So konnten wir mit einem schnellen Lenkmanöver auf die linke Fahrbahnseite wechseln und das Auto überholen. Beim Blick in den Rückspiegel sahen wir dann, wie seine Lenkerin versuchte, sich an den total beschlagenen Innenseiten der Scheiben etwas Sichtfeld zu schaffen.

Eine Gefahrensituation, wie sie leider kein Einzelfall ist. Immer wieder erlebt man, dass Autofahrer, die sich vom Straßenrand in den fließenden Verkehr einordnen wollen, auf diesen nicht die geringste Rücksicht nehmen, in ihr Auto einsteigen, den Motor starten und einfach losfahren. Und vor allem dann, wenn sie vor dem Herausfahren auch noch den Blinker gesetzt haben, scheinen sich viele gar nicht mehr um den nachfolgenden Verkehr zu kümmern, setzen darauf, dass man ihnen schon Platz machen wird.

Dann kommt es zu leider nicht immer folgenlosen harten Brems- und Ausweichmanövern. Besonders kritisch ist das für Radfahrer, die naturgemäß enger an den parkenden Fahrzeugen vorbeifahren und weniger schnell ausweichen können als ein Autofahrer. Wer also aus einer Parklücke herausfährt, muss vorher auf jeden Fall einen Blick in den Rückspiegel werfen. Und wenn sich von hinten Fahrzeuge nähern, dann muss man auch dann, wenn man den Blinker gesetzt hat, diese Fahrzeuge passieren lassen, ehe man sich ohne Behinderung anderer in den fließenden Verkehr einordnet.

Kurz nach dem Schreck erlebten wir eine zweite im Stadtverkehr immer wieder typische Situation. Ein Fahrzeg parkte in zweiter Reihe - man musste also an ihm vorbeifahren. Doch das vor uns fahrende Auto fuhr nur leicht nach links versetzt bis auf fast einen Meter an das parkende Fahrzeug heran, setzte den Blinker und blieb stehen. Denn auf der anderen Fahrbahnseite näherte sich der Gegenverkehr. Allerdings war der Abstand zwischen dem in zweiter Reihe parkenden Wagen und den am anderen Straßenrand stehenden Fahrzeugen so groß, dass sogar zwei breite Lastwagen nebeneinander problemlos hindurchgepasst hätten. Manche Landstraße, auf der man sich mit Tempo 100 begegnet und manche Autobahnbaustelle, an der man flott überholt, ist schmaler als diese Durchfahrt. Doch in der Stadt scheinen viele Autofahrer das Gefühl für die Breite ihres Fahrzeugs zu verlieren. Und dann warten sie an solchen Engstellen oft minutenlang, ehe sie weit ausholend mit einem großen Bogen am Hindernis vorbeifahren und blockieren den Nachfolgeverkehr. Bei allem Verständnis für vorsichtiges Fahren - machen Sie sich doch einmal mit der Breite ihres Fahrzeugs vertraut. Denn dann lässt sich gerade in der Stadt mancher Stau vermeiden, der nur deshalb entsteht, weil Autofahrer ihre Fahrzeugbreite völlig überschätzen.

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