Zeitung Heute : Der Spieler-Gefährte

Spot an: Rund um die Wilmersdorfer Straße ist die Filmbranche stark vertreten. Alexander Pat verhilft Darstellern mit seiner Agentur zu ihren Rollen. Leicht ist das nicht

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Von Sebastian Leber Er liest sie alle. Jede Bewerbung, die per Post oder per E-Mail kommt. Den meisten muss er absagen, aber immer ganz höflich. Und stets mit einem aufmunternden Satz: „Ich drücke die Daumen, dass Sie woanders unterkommen.“

Alexander Pat betreibt die Schauspieler-Agentur „Perfect Looks“ in der Schillerstraße. Knapp 30 Darsteller hat er unter Vertrag, mehr geht kaum, sagt er. Weil Betreuung viel Zeit kostet. Xenia Seeberg gehört zu seinen Klienten, die kennt man aus TV-Filmen, zum Beispiel aus dem Science-Fiction-Spektakel „Lexx“. Christiane Klimt, die Hauptdarstellerin aus der Seifenoper „Alles was zählt“, lässt sich auch von ihm vertreten.

Pat arbeitet zu Hause in seiner Hinterhofwohnung. Das bietet sich an, denn „klassischen Feierabend habe ich nicht“. Er muss erreichbar sein, wenn ein neues Rollen-Angebot für einen seiner Klienten reinkommt. Dann geht es manchmal sehr schnell. Pats Arbeitsplatz sind zwei mal zwei Meter Schreibtisch, Computer und Telefon, im selben Raum stehen auch Bett und Fernseher. Zwei Katzen tollen durchs Zimmer.

Schauspielern ist ein hartes Geschäft, sagt Alexander Pat. Ein verdammt hartes. Wenn jemand zu ihm kommt, der Schauspieler werden möchte, haut er ihm erstmal zwei Zahlen um die Ohren. „Es gibt bis zu 40 000 Schauspieler in Deutschland.“ Und, das klingt noch abschreckender: Nur zwei Prozent können damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Rest muss nebenher kellnern, Regale einräumen, Eis verkaufen. Oder den Pantomimen in der Fußgängerzone geben. Nur wer „sein ganzes Herzblut reinstecken will“, sich überhaupt keinen anderen Beruf vorstellen kann, der solle es als Schauspieler versuchen.

Alexander Pat selbst ist Quereinsteiger. Gelernt hat er Hotelfachmann in einem Luxushotel am Timmendorfer Strand. Anfang der 1990er kam er nach Berlin und machte, was viele Neuankömmlinge hier tun: dies und das. Er malte Stars und betreute Komparsen am Set von „Unser Charly“, der Serie mit dem Schimpansen. Als ein Freund eine SchauspielerAgentur aufmachte, dachte sich Pat: „Das kann ich auch.“

Rund um die Wilmersdorfer Straße leben und arbeiten viele Filmmenschen, sagt Pat. „Leute, die man eher in Prenzlauer Berg vermuten würde.“ Agenturen, Schauspieler, ein Tatort-Kommissar. Die bekannte Produktionsfirma Opal hat ihr Büro gleich um die Ecke in der Rückertstraße.

Und Heide Woicke, die hat hier ihre Castingagentur. Das ist etwas anderes als eine SchauspielerAgentur. In Woickes Büro stehen schwarze Aktenschränke, darin bewahrt sie in Prospekthüllen Material auf, das ihr Menschen wie Alexander Pat zugeschickt haben. 25 000 Lebensläufe von Schauspielern zum Beispiel. Und 12 000 DVDs. Wenn dann eine Produktionsfirma kommt und eine Rolle zu vergeben hat, kramt Woicke in Gedanken und im Archiv. Wer könnte passen? Welcher Typ ist gefragt? Es gibt da etwa den „ZDF-Typen“, das sind blonde Frauen, wie sie regelmäßig für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen gebraucht werden. „Jung, jung, jung“, dieser Typ lässt sich laut Alexander Pat am besten vermitteln. „Frauen ab 35, deren Gesicht man noch nicht kennt, brauchen viel Glück“. Oder einen guten Agenten.

Seit einigen Monaten laufen die Geschäfte wieder besser, hat Pat beobachtet. Die erste Jahreshälfte 2006 war eine Katastrophe, „da herrschte Geisterstunde in der Branche“. Schuld war die Weltmeisterschaft, viele Sendeplätze waren für Fußball reserviert. Und Außendrehs gingen während des WM-Trubels auch nicht – „da gab es von den Ämtern keine Genehmigungen.“ In Krisenzeiten profitiert Pat von seiner Ausbildung als Hotelfachmann. „Dort lernt man, den richtigen Draht zu Menschen zu finden.“ Das kann er jetzt gebrauchen, wenn er Trost spenden muss. Gerade heute kam eine E-Mail mit der Absage für eine seiner Klientinnen rein. Wäre eine Rolle in einer Serie gewesen, das hätte sich finanziell gelohnt. Früher war es verrufen, in Serien mitzuspielen. Heute verschwimmen die Grenzen, sagt Pat. Selbst Heiner Lauterbach ist demnächst in einer Comedy-Serie zu sehen.

Alexander Pats Agentur findet man im Internet unter der Adresse www.perfect-looks.de, Heide Woickes unter www.casting-berlin.de.

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