Zeitung Heute : Der sportlichste Ibiza ist ein Diesel
21.12.2001 00:00 UhrWie verschieden doch Autos sein können, selbst wenn sie die gleiche Plattform als Basis haben. Aktuellstes Beispiel dafür sind der Skoda Fabia, die neue Generation des VW Polo und der neue Seat Ibiza - drei Kompakte mit identischer Basis, aber jeder mit seinem ganz eigenen Charakter. Und der ist beim jüngsten Spross dieses Trios unverkennbar sportlich geprägt - so wie es nach der inzwischen klar definierten Strategie der verschiedenen Volkswagen-Marken für Seat ganz allgemein gilt. So überraschte es kaum noch, als Seat bei der in diesen Wochen vorgenommenen Neugliederung der Pkw-Aktivitäten des Konzerns in künftig zwei Sparten unters Dach der von Audi angeführten sportlichen Gruppe kam.
Denn neben den schon früher gepflegten südlichen Elementen ist es die mit hoher Qualität gepaarte Sportlichkeit, die den besonderen Seat-Charakter ausmacht. Und die nunmehr dritte Generation des Ibiza ist ein überzeugendes Beispiel für diese neue Seat-Philosophie.
Für Volkswagen spielt Seat damit künftig eine vergleichbare Rolle, wie sie Alfa bei Fiat einnimmt. Apropos Alfa. Wer meint, im neuen Ibiza einige mit den modernen Alfas verwandte Designelemente zu erkennen, liegt damit gar nicht so falsch. Denn schließlich ist der fürs Ibiza Design verantwortliche Walter de Silva von Alfa, wo er konsequent das neue Gesicht der Marke prägte, zu Seat gekommen. Und man muss ihm bestätigen, dass es ihm mit dem neuen Ibiza gelungen ist, der spanischen VW-Tochter Seat eine überzeugende sportliche Optik zu geben. Die knüpft an das vor wenigen Jahren geprägte neue Seat-Gesicht an, dem sie beim Ibiza einige neue besonders dynamische Elemente verleiht.
Schon die Front mit den eigenwilligen Doppelscheinwerfern unter Klarglas und den Lufteintritten beiderseits des größer gewordenen Grills mit dem großen Seat-Logo wirkt ansprechend und dynamisch. Die muskulösen Kotflügel und der große Lufteinlass im unteren Teil des Stoßfängers betonen die Breite des Ibiza, der auch aus der Heckperspektive kraftvoll und breit wirkt. Und die Seitenperspektive wird geprägt von einer betont hohen Gürtellinie und einer klaren Keilform. Doch der neue Ibiza wirkt nicht nur größer als der Vorgänger - er ist auch größer. Denn in der Länge hat er knapp acht, in der Breite knapp sechs und in der Höhe knapp zwei Zentimeter zugelegt. So hat er schon fast die Abmessungen eines kompakten Mittelklasseautos.
Entsprechend groß ist das Platzangebot innen. Denn Fahrer und Beifahrer können es sich auf den guten Seitenhalt gebenden sportlichen Schalensitzen mit Höhenverstellung vorn ausgesprochen bequem machen. Und auch im Fond ist das Platzangebot für zwei Erwachsene durchaus in Ordnung. Bei drei Ewachsenen allerdings, für die der Ibiza zugelassen ist, wird es dann allerdings ein wenig eng. 267 Liter und damit 17 Liter mehr als beim Vorgänger fasst der rundum ausgekleidete Laderaum, der sich dank asymmetrisch geteilter vorklappbarer Rückbank bei freien Sitzen im Fond problemlos erweitern lässt. Zugang zu ihm schafft eine weit nach oben öffnende breite Heckklappe.
Die dynamische äußere Linie setzt sich im Ibiza-Innenraum konsequent fort. So fällt der Blick über das in Höhe und Neigung verstellbare griffige Dreispeichen-Lenkrad auf zwei große - Tacho und Drehzahlmesser - und mehrere kleine Rundinstrumente und ebenso große runde Belüftungsdüsen beiderseits sowie eine zum Fahrzeuglenker hin orientierte Mittelkonsole mit der Bedienung für Heizung und Lüftung, Audio und Navigation. Ein ansprechendes Ambiente, bei dem die hier eingesetzten Werkstoffe und deren Oberflächen eine hohe Qualitätsanmutung haben und sehr sorgfältig verarbeitet sind. Ein Auto, dessen Interieur mit seiner ausgeprägt sportlichen Note durchaus gefallen kann.
Unter der schwungvollen Ibiza-Motorhaube arbeiten sechs Triebwerke - drei Benziner, die die Abgasnorm EU4 erfüllen, und drei Diesel, die EU3 erfüllen. Und gerade bei den Dieseln bietet der kleine Spanier die größte Kraft - ja der sportlichste Ibiza überhaupt ist ein moderner 1,9-Liter-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Einspritzung. 96 kW (130 PS) aktiviert dieses Spitzentriebwerk unter den 1,9-Liter-TDI-Motoren, das in der Kompaktklasse allein beim Ibiza eingesetzt wird. Den lässt es binnen gerade einmal 9,4 Sekunden auf Tempo 100 spurten und bis zu 207 km/h erreichen. Und damit man die Kraft dieses Direkteinspritzers auch optimal nutzen kann, kombiniert Seat ihn erstmals mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe. Trotz seiner hohen Fahrleistungen ist der sportlichste Ibiza aber nicht übertrieben durstig, denn ihm genügen gerade einmal 5,0 l/100 km. Die weiteren beiden Selbstzünder sind der 1.9-Liter-TDI mit 74 kW (100 PS), der mit 10,8 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 190 km/h auch noch recht flott ist, und der bewährte Saugmotor 1.9 SDI mit 47 kW (64 PS), der mit 17,0 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und 163 km/h zwar weniger flott, aber mit 4,7 l/100 km der Sparmeister unter allen Ibiza-Modellen ist.
Ganz neu für Seat ist das Einstiegsmodell bei den Benzinern. Denn erstmals setzen die Spanier einen Dreizylinder ein - den auch im Polo verwendeten
1,2-Liter. Allerdings nicht in der bei VW auch verfügbaren Zweiventilversion, sondern mit Blick auf den sportlichen Akzent der Marke den Vierventiler mit einer Leistung von 47 kW (64 PS). Eine Ausgleichswelle sorgt für die nötige Laufkultur und mit 14,9 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 165 km/h ist der Dreizylinder erfreulich flott. Die nächste Leistungsstufe deckt der bewährte 1,4-Liter 16V mit
55 kW (75 PS) ab. Er ist als einziges Triebwerk auch in Verbindung mit einer Viergang-Automatik verfügbar. In seiner Variante mit 74 kW (100 PS) ist er vorerst der stärkste Benziner, der den Spurt auf Tempo binnen 11,2 Sekunden und maximal 191 km/h erlaubt.
So flotte Fahrleistungen verlangen nach einem dafür geeigneten Fahrwerk. Und wie schon Skoda Fabia und VW Polo, so verlässt sich auch der Seat Ibiza auf die bewährte Konstruktion mit der Federbein-Vorderachse und der Verbundlenker-Hinterachse. Allerdings liegen die Ibiza-Modelle rund zwei Zentimeter tiefer und das Fahrwerk gibt sich insgesamt straffer. Beste Voraussetzungen also für große Agilität dieser Autos, die Seat in den Vordergrund stellt. Und selbst bei flotter Kurvenfahrt erweist sich dieses Fahrwerk als ausgesprochen narrensicher, stellt den Lenker des Ibiza vor keine Probleme. Jederzeit guten Straßenkontakt vermittelt die Servolenkung, bei der nun auch Seat auf eine elektrische Variante setzt, die nur dann Energie benötigt, wenn sie aktiv wird.
Für den Fall des Falles steht nun auch im Ibiza die Fahrdynamikregelung ESP zur Verfügung, als Serienausstattung allerdings nur beim großen Turbodiesel. Kombiniert ist sie mit dem Bremsassistenten, für den Seat den etwas ungeschickten Begriff Hilfsbremsanlage verwendet. Nur beim Spitzenmodell Serie ist auch die Traktionskontrolle TCS, während alle Ibiza mit einem ABS ausgestattet sind. Und gebremst wird mit Scheiben vorn und je nach Motorisierung Scheiben oder Trommeln hinten.
Frontairbags, bei denen der Beifahrerairbag abgeschaltet werden kann, und Seitenairbags sind ebenso Serienausstattung wie die vorderen pyrotechnischen Gurtstraffer und die trotz konsequenten Leichtbaus besonders stabile Karosserie, die es mit zwei und vier Türen gibt. Auf den deutschen Markt kommt der Ibiza am 12. April in den drei Ausstattungsstufen Stella, Sport und Signo, wobei bereits die Basisausstattung erfreulich komplett ist und man das Spitzenmodell geradezu luxuriös ausstatten kann. Rundum ein optisch, technisch und mit seinen Fahreigenschaften überzeugender Kompakter, der beste Voraussetzungen mitbringt, an die Erfolge der in bislang 2,7 Millionen Exemplaren gebauten Vorgänger anzuknüpfen.
Daten auf einen Blick
Karosserie: Zwei- und viertürige fünfsitzige Steilhecklimousine.
Maße/Gewichte: 3,95 m lang, 1,70 m breit, 1,44 m hoch, Radstand 2,46 m, Leergewicht 1036-1192 kg, Zuladung 500-550 kg, Kofferraum 270 l, Tankinhalt 45 l.
Antrieb: Benziner: 1,2-l-Dreizylinder 12V mit 47 kW (65 PS), 1,4-l-Vierzylinder 16V mit 55 kW (75 PS) und 74 kW (100 PS). Direkt einspritzende Diesel: 1,9-l-Vierzylinder-Saugmotor mit 47 kW (64 PS), 1,9-l-Turbodiesel mit Pumpe-Düse-Einspritzung und
74 und 96 kW (100 PS und 130 PS), Fünfgang-Schaltgetriebe und Sechsgang-Schaltgetriebe für Diesel mit 130 PS, Viergang-Automatik (1,4-l-Benziner mit 55 kW), Frontantrieb.
Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit McPherson-Federbeinen, hinten Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, elektrohydraulische Zahnstangenlenkung, Scheibenbremsen vorn, hinten Trommel- oder Scheibenbremsen, ABS, TCS (Traktionskontrolle) und ESP ab 55 kW als Option (Serie beim TDI mit 96 kW).
Fahrleistungen: 19,4-17,0 s von Null auf Tempo 100, 165-207 km/h.
Verbrauch: Durchschnittlich 4,7-7,4 l/100 km.
Preise: Noch nicht bekannt. Zwischen knapp 23000 DM und 36000 DM jeweils leicht unter den Preisen eines vergleichbaren Polo.








