Zeitung Heute : Der Star-Report

DIRK SCHÖNLEBE

Es hatte was vom "Grand Prix Eurovision", als sie der Reihe nach vorgestellt wurden, die "Shooting Stars 1999".18 "der interessantesten Repräsentanten der neuen europäischen Schauspielergeneration" hatte die European Film Promotion angekündigt, denen nach nationalen Erfolgen der Weg über ihre Landesgrenzen hinaus geebnet werden soll: Tamar van den Dop aus den Niederlanden, dem Schweden Johan Widerberg, der Dänin Iben Hjejle (auf der Berlinale mit "Mifune"), Rachael Stirling aus Großbritannien und 14 anderen aus neun Ländern.

Aus Deutschland wurden Maria Schrader ("Aimee und Jaguar") und Moritz Bleibtreu ("Lola rennt") präsentiert, die mit ihren Kollegen hörten, was Ben Kinsley, ihr Mentor, zu sagen hatte.Der hatte die Veranstaltung schon im letzten Jahr unter seine Fittiche genmommen, als erstmals "Shooting Stars" vorgestellt wurden.

Kingsley ließ sich auch von der durch Handy-Funkwellen gestörten Tontechnik nicht irritieren, eindringlich sprach er davon, wie wichtig Wille, Motivation und unerschöpfliche Neugier für den Schauspielberuf seien.Die "Shooting Stars" hätten dies, Kingsley nannte sie "hochmotivierte, herausragende Vertreter des Schauspiel-Handwerks".Denen müsse nun eine Chance gegeben werden, sich international zu beweisen.

Die "Shooting Stars" selbst bestätigten, daß nationale Erfolge noch lange kein grenzüberschreitendens Rennomee bedeute.Leonor Watling aus Spanien bekannte, ihr seien so viele US-Schauspieler ein Begriff.Die Arbeit ihrer europäischen Kollegen, auch die meisten ihrer Co-Shooting-Stars, kenne sie dagegen kaum.Moritz Bleibtreu hatte die meisten Kollegen erst in den letzten Tagen in Berlin kennengelernt.Er fand es aber "geil, daß sich Kingsley um die Sache kümmert, dem hört einfach jeder zu".Man müsse die Schauspieler "mehr zelebrieren, um mit den Amerikanern mithalten zu können".Bleibtreu sprach auch das Problem an, daß Verleiher auf US-Filme setzen und europäischen Produktionen wenig Chancen gäben.Maria Schrader begrüßte vor allem die Möglichkeit, Kontakte mit internationalen Casting-Agenturen zu knüpfen.Dazu war besonders in einem Workshop Gelegenheit, wo 15 Regisseure und Casting-Direktoren mit den "Shooting Stars" ins Gespräch kamen.

Bei ihrer offiziellen Präsentation wirkten einige Jung-Schauspieler etwas angeschlagen, vielleicht hatten sie zu lange den 19.Geburtstag von Ana Moreira aus Portugal am Vorabend gefeiert.Der Ire Paul Ronan, bekannt aus "Der Boxer", brachte es auf den Punkt: "Ich bin vielleicht verkatert, aber wenigstens höre ich mich nüchtern an".Vielleicht hatte Ben Kingsley auch daran gedacht, als er zuvor den Schauspiel-Beruf definierte: "Wir verdienen unser Geld damit, etwas darzustellen, das wir nicht sind."

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