Zeitung Heute : Der stille Killer

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Seinen Blutdruck selbst messen

Hartmut Wewetzer

Wir stehen unter Druck, und das ist gut so. Das Herz presst das Blut durch die Gefäße und versorgt uns mit Sauerstoff und Nahrung. Aber der Druck kann auch zu hoch werden, und das ist umso tückischer, als man das meist nicht einmal merkt. Bluthochdruck ist ein „stiller Killer“, er führt zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nierenschäden. Aber man kann ihm auf die Spur kommen, indem man misst, wie hoch er wirklich ist. Und das hat man inzwischen sogar selbst in der Hand. Denn mittlerweile gibt es ein breites Angebot von Messgeräten für die Benutzung zu Hause.

Die Einheit der Blutdruckmessung ist mm Hg (sprich: „Millimeter Quecksilber“), eine Erinnerung an die Zeit, als Quecksilber zur Druckmessung benutzt wurde. Der erste („systolische“) Messwert markiert die Obergrenze. Diese Blutdruckspitze entsteht, wenn der Herzmuskel sich zusammenzieht. Der untere („diastolische“) Wert signalisiert das Verebben der Druckwelle, er spiegelt die Entspannung des Herzmuskels zwischen den Schlägen wider. Der systolische Wert sollte 140, der diastolische 90 nicht übersteigen. Sind schon Folgeschäden an Herz, Hirn und Nieren vorhanden oder liegt eine Zuckerkrankheit vor, sollte der Blutdruck bei 130/85 (sprich: „130 zu 85“) oder darunter liegen.

„Wenn man älter als 60 ist, empfiehlt es sich, ein Gerät zur Selbstmessung anzuschaffen", rät Wolf-Dieter Patyna von der Kurpark-Klinik Bad Nauheim. „Denn in dieser Altersgruppe hat jeder zweite erhöhten Blutdruck.“ Es gibt Geräte für die Messung am Oberarm und am Handgelenk. Erstere liefern die genaueren Ergebnisse, letztere sind komfortabler. Patyna empfiehlt, Messgeräte zu kaufen, die getestet wurden und das Prüfsiegel der Hochdruckliga tragen (Näheres unter www.hochdruckliga.info).

Die Selbstmessung liefert zuverlässige Messwerte, und sie vermag die Sensibilität für die Krankheit zu schärfen. Voraussetzung ist, dass man richtig misst. Wie Patyna in einer Befragung von 500 Hochdruckpatienten festgestellt hat, sind die meisten aber nicht gut über die Messung informiert. Die häufigsten Fehler:

– Vor der Messung wird nicht die Ruhezeit von mindestens drei Minuten eingehalten. Ergebnis: zu hohe Werte.

– Messung am falschen Arm. Man sollte an dem Arm messen, der höhere Blutdruckwerte hat – und nicht aus Bequemlichkeit am linken Arm.

– Messung nicht auf Herzhöhe. Während die Oberarm-Manschette schon automatisch etwa auf Herzhöhe ist, muss die Handgelenk-Manschette hochgehalten werden. Etwa dort, wo die Amerikaner bei ihrer Hymne ihre Hand halten.

Bluthochdruck kann man zwar nicht immer verhindern, aber man kann etwas zur Vorbeugung tun und versuchen, ihn zurückzudrängen. Indem man Übergewicht abbaut, sich das Rauchen abgewöhnt, nur in Maßen Kochsalz benutzt und sich täglich ein wenig bewegt. „Ich rate meinen Patienten, abends zur ,Tagesschau’-Zeit eine Viertelstunde auf dem Fahrrad-Ergometer zu strampeln“, sagt Patyna. „Dann haben sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“

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