Zeitung Heute : Der Tag, als der Nussberg unterging

Hagel dezimierte den Ertrag 2009 in vielen Regionen, vor allem in Wien

Der 23. Juli 2009 war ein Schicksalstag für den Wiener Weinbau. Ein Hagelsturm zog über die Stadt und vernichtete etwa 350 Hektar Weinberge zum Teil komplett – die Hälfte der gesamten Anbaufläche. Besonders betroffen war der Nussberg, die anerkannt beste Lage der Stadt, die in den letzten Jahren aus den Händen von Winzern wie Fritz Wieninger oder Richard Zahel immer mehr Weltklasseweine hervorgebracht hat. Hier wird es vermutlich aus dem Jahrgang 2009 so gut wie überhaupt keinen Wein geben.

Wien ist ein Extremfall. Aber auch in den anderen österreichischen Anbaugebieten haben Wetterkapriolen Schaden verursacht; so wird die gesamte Erntemenge relativ gering ausfallen. Josef Pleil, der Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes, rechnet mit nur etwa 2,2 Millionen Hektolitern oder weniger, was in jedem Fall ein deutliches Minus gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 2,5 Millionen Hektolitern bedeutet. Aber was durchkam, ist nach Einschätzungen der österreichischen Winzer von sehr guter Qualität.

Generell war das Wetter des Jahres 2009 durch ein ständiges Hin und Her geprägt. Schon der Winter schwankte zwischen sehr kalten und sehr warmen Phasen, die von reichlich Regen und Schnee begleitet wurden - im Januar wurden im Burgenland bis zu 13 Grad plus gemessen. Auf einen feuchten März folgte ein sehr warmer und zu trockener April, dann wieder ein kühler, gegen Ende auch sehr nasser Mai mit Hagelschlag.

Der kalte Juni, der regenreichste seit 50 Jahren, brachte Überflutungen, die sogar da und dort Hänge abrutschen ließen, und erneut verbreiteten Hagel. Vor allem in der Steiermark, wo die Blüte bereits sehr früh Ende Mai begonnen hatte, führte dies zu starker Verrieselung, die die Blütenansätze zerstörte und die Erntemenge vor allem bei Sauvignon blanc, Weißburgunder und Chardonnay reduzierte.

Im Juli setzte sich der Trend zu einem regenreichen Sommer fort, aber es wurde allmählich wärmer. Dann beruhigte sich das Wetter nach und nach. Der heiße und vorwiegend trockene August förderte die Färbung und Zuckereinlagerung in den Weintrauben, bremste aber die Safteinlagerung und damit die Mostausbeute. Der Herbst bewegte sich dann zunehmend in Richtung Happy End: Das warme und sonnige Wetter bis Anfang Oktober brachte gesunde Trauben mit idealer Reife, und die meist kühlen Nächte unterstützten die Ausbildung der feinen Aromen in den Trauben.

Allerdings gilt die positive Herbstbilanz nicht für alle Anbaugebiete: Starker Regen in Kremstal, Kamptal und Wachau Mitte September erhöhte den Pilzdruck und zwang die Winzer zu rigorosen Auslesearbeiten bei der Ernte. Steiermark und Burgenland kamen weitgehend heil davon. Willy Klinger, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing GmbH (ÖWM), kommentiert: „Trotz Hagel und Verrieselung können wir uns auf einen qualitativ hochinteressanten Jahrgang bei Weiß- und Rotwein freuen". bm

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben