Der Tag, an dem … : … die Freiheit wächst

In unserer losen Serie zum Raucherschutz heute ein paar Meldungen vom Frontverlauf. In Berlin wurde ein Paar mittleren Alters belauscht. Das Paar spazierte durch Kreuzberg, vorbei an Restaurants, Cafés, Kneipen. Vor einer standen ein paar Raucher und gaben sich ihrem Vergnügen, Verzeihung, ihrem ekelhaften Laster hin. Die Frau des Paares schaute voller Verachtung zu den Rauchern und sagte dann zu ihrem Begleiter: „Wir werden noch viel zu lachen haben mit all diesen Rauchern vor den Türen, das ist doch ein wunderbarer Spaß.“

Ebenfalls in Berlin wurde folgender Dialog aufgeschnappt. Auch er spielte sich vor einer Gaststätte ab. Beteiligt waren ein Raucher, der draußen vor der Tür unter freiem Himmel stand und eine ältere Frau, die gerade die rauchfreie Gaststätte verließ. Die Frau: „Bäh, jetzt stehen die hier vor der Tür und verpesten die Luft.“ Der Mann, Verzeihung, der Raucher, weil Raucher ja nur eine Untergattung des Menschen sind: „Hier draußen werden wir wohl noch rauchen dürfen.“ Die Frau: „Aber hoffentlich nicht mehr lange.“ Der Raucher: „Vielleicht sollten wir auch so kleine Umweltplaketten bekommen, oder besser noch, gleich einen Stern.“ Die Frau: „Ach, das ist doch gar nicht nötig, Sie bringen sich doch schon selber um.“ Der Raucher verschluckte sich am Rauch, selber schuld, dieser Widerling.

Andererseits. Laut einem Zeitungsbericht hat in Büsum in Schleswig-Holstein ein Firmenchef drei Mitarbeitern gekündigt, die einen Anspruch auf rauchfreie Zonen erhoben hatten. Er sei durchaus zufrieden gewesen mit der Arbeit der Nichtraucher, er habe aber keine Lust auf Querulanten. Und außerdem, „Raucher sind bei uns nun mal die besseren Angestellten“.

Die lobenswerte Raucherverbannung haben wir bekanntlich von den Amerikanern abgeguckt und übernommen. Dort gibt es noch viel mehr rauchfreie Zonen, auch im Freien, und es gibt Gegenden, in denen in angemieteten Wohnungen ebenfalls nicht geraucht werden darf. Amerika ist ja das Land der Freiheit, „Land of the free“ singen sie dort sogar in ihrer Hymne. Dieser Tage wurde auf dem Times Square in New York ein Mann verhaftet. Er hatte rumgestanden. Und in den Nachthimmel von Manhattan geschaut. Das ist nun wirklich keine Art. Zahlreiche andere Fußgänger mussten um ihn rumgehen, Passivsteher sozusagen. Wir haben hier also noch einiges zu tun, sind aber auf gutem Wege.uem

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