Der Tag, an dem … : … Frau Pauli Rom entdeckt

Mit der von ihr gewohnten analytischen Kraft hat sich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) in ihrer gestrigen Ausgabe dem jüngsten Auftritt der CSU- Skandalnudel Gabriele Pauli (vulgo: „schöne Landrätin“) im Münchner Löwenbräukeller gewidmet. Pauli bewirbt sich demnächst um den Vorsitz bei den Christsozialen, was ein ebenso ambitioniertes (Frau!) wie in sich absurdes (Frau!!) Unterfangen ist, wobei sie offenbar zusätzlich die Strategie verfolgt, von dieser Ursprungsabsurdität durch allerlei noch abstrusere gesellschaftspolitische Vorschläge abzulenken. Ihr jüngster Vorstoß: Sieben Jahre Ehe sind genug, Paare, die danach keine Lust mehr aufeinander hätten, könnten „ohne großen Scheidungsaufwand“ getrennte Wege gehen.

Die FAZ nennt diese Methode „Selbstboulevardisierung“ – kurz gefasst handelt es sich dabei um die Absonderung von immensem Stuss, auf den sich leichterhand ein ganzer Strauß von kopfschüttelnden, empörten oder bemüht witzigen Reaktionen ernten lässt. Fast immer übrigens trägt der Prozess der „Selbstboulevardisierung“ zur Profilschärfe bei, manchmal allerdings unbeabsichtigt, wovon beispielsweise die Grünen mit ihrem legendären Fünf-Mark-Beschluss für den Liter Sprit ein Lied singen können. Wahrscheinlich würde eine unter bayerischen ADAC-Mitgliedern in Auftrag gegebene Umfrage bei Autofahrern, die man vor die Wahl stellt, teurer zu tanken oder umsonst die Ehefrau zu verlassen, sogar ganz erstaunliche Ergebnisse zu Tage fördern – aber das nur nebenbei.

Von den bemüht witzigen, im Grunde aber pointenfreien Reaktionen, sei hier nur die Stellungnahme der bayerischen FDP-Bundestagsabgeordneten Miriam Gruß wiedergegeben. „Noch besser wäre eine CSU-Mitgliedschaft“, sagt Frau Gruß, „die automatisch nach sieben Jahren endet.“

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema ist das nicht. Die liefert, wie bestellt, die Online-Partnervermittlungsagentur „Der Zweite Frühling“, die rechtzeitig zum Herbstanfang in einer Umfrage herausgefunden hat, dass das Ende der Urlaubs- mit dem Beginn der Scheidungssaison zusammenfällt, weil insbesondere im Urlaub die negativen Charaktereigenschaften des Partners augenfällig würden. „Die Scheidung nach dem Urlaub wird meist von Frauen eingereicht, insbesondere ein Aufenthalt im heißblütigen Italien gibt oft Anlass zur Trennung“, heißt es in der Pressemitteilung von „Der Zweite Frühling“.

Nun, nach Italien ist es von Bayern aus nur einen Katzensprung. CSU-Mitglieder sollten künftig hellhörig werden, wenns aus der Küche tönt: „Schatz, wir waren ewig nicht mehr in Rom.“ Vbn

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