Der Tag, an dem … : … nur die Beliebtheit zählt

Die Frage, was einen Menschen beliebter macht als andere, ist so alt wie die Menschheit. Das heißt, die Auswahl Adams war begrenzt, wiewohl auch die von Eva. Weswegen die beiden einander gewiss die beliebtesten Menschen der Welt waren, Eva brauchte zur Popularisierung allerdings zusätzlich einen Apfel. In den Jahren danach aber wurde es komplizierter. Was macht Frau beliebt? Und jetzt bitte nicht nur primär betrachtet. Ist es Erfolg, Schönheit, Klugheit? Rührseligkeit, Fleiß, Glück? Man weiß es nicht so recht. Und auch nicht nach einer soeben veröffentlichten Umfrage zur beliebtesten deutschen Frau. Wer das ist? Jedem die seine, sollte man annehmen, aber dem ist nicht so. Die beliebteste deutsche Frau, mit 84 Prozent erwählt, herausgehoben aus 50 Kandidatinnen aus Politik, Kultur, Gesellschaft, Show, Film und Sport, ist: Steffi Graf.

Die Wahl interpretiert hieße, dass Eheglück, Kinderglück, Fleiß, Erfolg bei gleichbleibender Natürlichkeit ganz gute Kriterien sind, um sich dauerhaft beliebt zu machen. Unterkriterien wären in diesem Fall noch Nudeln, ein Wohnsitz in Las Vegas und eine Neigung zu ausgefallenen Kindernamen, eine gewisse Sportlichkeit. Eine gute Wahl mithin.

Was aber mögen die Kriterien gewesen sein, um zum Beispiel die Plätze zwei, fünf und sechs zu belegen? Penetrante Präsenz möglicherweise. Andere Merkmale von Veronica Ferres (Platz 2), Heidi Klum (5) und Claudia Schiffer (6), ähm, ja, da wären, na, dingens, ähm, nein, keine primären!, ja, also, mhmm...

Zur Vollständigkeit: 3. Iris Berben, 4. Senta Berger, 7. Nena, 8. Katarina Witt, 9. Hannelore Elsner, 10. Franziska van Almsick. Was es dazu zu sagen gibt? Dass sogar auch ein paar dunkelhaarige unter den Erwählten sind.

Um dem Vorwurf des Machismos zu entgehen, hier eine nicht repräsentative Übersetzung ins Männliche: Platz 1: Michael Schumacher (Eheglück, Kinderglück, Fleiß, Erfolg, na gut, Natürlichkeit – Vergleiche stimmen nie ganz). 2. Heinz Hönig, 3. Uli Wickert, das gute Gewissen, 4. Götz George, 5. Dieter Heidi Bohlen, 6. Thomas Claudia Anders, 7. Wolfgang Niedecken, der Gutmensch, 8. Täve Schur, 9. Ulrich Mühe, immer noch, 10. Jürgen Sparwasser. Platz 32 würde dann bei den Männern Wolfgang Thierse einnehmen. Drüben, bei der realen femininen Liste, konnte sich Angela Merkel auf 32 platzieren.

Die Frage, was einen Menschen beliebter macht als andere, ist hier wie da weiterhin offen. Man muss sich Adam und Eva als glückliche Menschen vorstellen. Sie brauchten nicht zu wählen und kannten keine blöden Umfragen.uem

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