Der Tag, an dem … : … Pumuckl lieben darf

Einer der schönsten Momente des Lebens ist der, in dem die Liebe siegt. Es gilt, von einem dieser Momente zu berichten. Er wurde eingeleitet im Landgericht München I und wird vollzogen im Münchner Stadtteil Lehel, und dort in der Widenmayerstraße 2, Rückgebäude, in der Schreinerei Eder. Pumuckl, der hier wohnhafte und umtriebige Klabautermann, darf, und dies hat das Gericht nun ausdrücklich und unmissverständlich formuliert, Pumuckl darf eine Freundin haben. Hurra! Hurra!

Dem Urteil vorausgegangen war ein Rechtsstreit der beiden Mütter des Pumuckl, es war an dieser Stelle vor knapp einem Jahr schon einmal die Rede davon. Die eine Mutter, Ellis Kaut, die Erfinderin des Pumuckl, hatte den Kleinen einsam bleiben lassen wollen, mit einer für all die, die den Pumuckl kennen und wer kennt ihn nicht, erstaunlichen Begründung. Der Pumuckl sei ein Kobold, ein Geistwesen und die hätten kein Geschlecht, folglich auch kein Interesse am anderen oder überhaupt am Geschlechtlichen. Ein Geistwesen? Mit einer Stimme wie Hans Clarin? Mit roten Haaren? Die andere Mutter, Barbara von Johnson, die den Wicht gemalt hatte und ihn damit aus der unsichtbaren Geistwelt führte, hatte einen Kindermalwettbewerb unterstützt, bei dem eine Freundin für Pumuckl gesucht wurde. Der Preis für den schönsten Entwurf: Die Teilnahme an der Hochzeit des Paares. Ellis Kaut fühlte sich in ihren Urheberpersönlichkeitsrechten verletzt. Wenn man so will, ging es in dem Streit auch um die alte Frage, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält, was sie am Laufen hält, am Leben. Ist es das Geld, ist es die Liebe? Wie schön, dass die Münchner Richter der neoliberalen Antwort eine eindeutige Abfuhr erteilten.

Nun, vorausgesetzt Pumuckl findet eine Freundin, was dem charmanten Kerl nicht schwer fallen dürfte, wie geht es dann weiter mit dem jungen Glück. Ellis Kaut hat schon angekündigt, dass sie ihren Segen verweigern und Pumuckls Geschichte nicht fortschreiben wird. Aber ein Pumuckl mit dem Lebensmotto „Hurra, Hurra, der Pumuckl ist wieder da“ kann nicht weg sein, der geht nicht einfach in den Ruhestand. Für eine Hochzeit stehen die Chancen allerdings eher schlecht. Pumuckl ist ja nicht der bürgerliche Typ. Unvorstellbar, dass Pumuckl auf den Steuervorteil einer Ehe schielt. Unvorstellbar auch, dass Pumuckl vor dem Standesbeamten oder dem Altar wartet, bis er mit seinem kargen Text „Ja“ dran ist. Und der Meister Eder darf jetzt wieder bauen, eine zweite kleine Schaukel. Ein zweites kleines Bett ist wohl nicht nötig. Die Liebe hat gesiegt.uem

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben