Der Tag, an dem … : … Skopje zurückschlägt

Unser Senat ist derzeit mächtig stolz auf den hippen neuen Slogan „Be Berlin!“ Dabei ist die Idee, einen Hauptstadtnamen zum Adjektiv zu machen, im Grunde weder neu noch berlinerisch. Die Griechen praktizieren das schon seit Jahren, wenn sie über ihre Nachbarn reden, die Mazedonier. Deren Hauptstadt heißt Skopje, und wenn die Griechen über jemanden sagen, er sei „skopje“, dann meinen sie damit: Er ist mazedonisch. Be Berlin? Be Skopje!

Die Mazedonier allerdings empfinden diese Bezeichnung nicht als coolen urbanen Markennamen, sondern als Kränkung. Sie wollen Mazedonier heißen. Für dieses Recht werden sie heute wieder beim Nato-Gipfel in Bukarest streiten, und die Griechen werden das wieder mal zu verhindern trachten, wie sie es schon seit 1991 tun, als sich das Nachbarland unter dem Namen „Republik Mazedonien“ von Jugoslawien abspaltete. Den Griechen passt das nicht, weil Mazedonien ihrem Verständnis nach eine historische Region ist, deren überwiegender Teil in Griechenland liegt. Die Griechen haben Angst, dass die Mazedonier irgendwann nicht mehr nur Mazedonier heißen wollen, sondern auch Mazedonien zurückhaben wollen, nach dem Motto: Be Mazedonien? Be Griechenland! Deshalb waren die Griechen auch gar nicht amüsiert, als die Mazedonier Ende 2006 ihren Zentralflughafen nach dem mazedonischen Eroberer Alexander der Große umbenannten.

Man muss aber auch die Mazedonier verstehen. Seit Jahren werden sie von den Griechen gezwungen, international den sperrigen Ländernamen FYROM zu führen, „Former Yugoslav Republic of Macedonia“, was fast so bescheuert klingt wie „The Artist Formerly Known As Prince“. Vor ein paar Jahren gab es in Mazedonien mal eine Imagekampagne, da hingen im ganzen Land Plakate mit der Aufschrift „Don’t you FYROM me! I’m Macedonian!“

Den Griechen aber klingt selbst FYROM noch zu sehr nach Mazedonien, sie würden auch diesen Namen gerne verbieten. Wenn der Nato-Gipfel jetzt keine Einigung bringt, muss Mazedonien im Mai beim Grand Prix vermutlich unter dem Namen „The Country Formerly Known As Former Yugoslav Republic of Macedonia“ antreten. Im offiziellen Sprachgebrauch des Auswärtigen Amts wäre ein Mazedonier dann ein „Bürger des Landes, das früher Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien hieß“, kurz BdLdfEJRMh. Bestimmt gibt es ein EU-Gesetz, das solche Namen als menschenunwürdig verbietet. Bestimmt darf man in der EU nicht mal einen Hund so nennen! müh

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