Der Tag, an dem … : ... wir keine Plastiktüten mehr benutzen

Da entsteht auf der ganzen Welt eine neue Umweltbewegung – und Deutschland gehört nicht dazu. In dieser Woche haben China und Australien ein Verbot von Plastiktüten angekündigt, in China schon von Juni an, in Australien irgendwann gegen Ende des Jahres. Und die Stadt New York verpflichtet ihre Einzelhändler, Plastiktüten zurückzunehmen und recyceln zu lassen. San Francisco hat Lebensmittelhändlern und Drogerien schon im vergangenen Jahr verboten, noch Plastiktüten auszugeben.

Das alles erinnert dann doch an eine ziemlich alte deutsche Debatte. In den achtziger Jahren hieß der Kampfruf „Jute statt Plastik“. Und tatsächlich sind Plastiktüten in Deutschland kein allzu großes Problem mehr. Denn mit der Verpackungsverordnung, die der damalige Umweltminister Klaus Töpfer durchgesetzt hat, wurden die Einzelhändler gezwungen, Verpackungen zurückzunehmen oder für die Einsammlung des Verpackungsmülls zu bezahlen. Sie entschieden sich überwiegend für die zweite Variante. Und bis heute holt der Grüne Punkt rund 60 Prozent des Verpackungsmülls bei den Haushalten ab und recycelt ihn. Der Rest wird von neuen Wettbewerbern auf dem Markt verarbeitet.

Angefangen hat die neue Welle im Kampf gegen den Plastikmüll in Ruanda 2005. Dort wurden die Tüten einfach verboten. Der Erfolg ist in der Hauptstadt Kigali zu sehen, wo die feinen Folien inzwischen nicht mehr in Bäumen hängen, Abwasserrohre verstopfen oder im Magen von Haustieren landen, die daraufhin verenden. Es folgten die Südseeinsel Palau und das ostafrikanische Land Tansania. Im vergangenen Jahr haben Kenia und Uganda die dünnen Tüten verboten und auf stabilere Taschen eine Steuer erhoben. Auch auf Hawaii gelten Plastiktüten seit dem vergangenen Jahr nicht mehr als chic.

Die Staaten, die die Tüten verboten haben, sind froh, einige Probleme los zu sein und andere zumindest zu verkleinern. In Afrika sind weggeworfene Plastiktüten, in denen sich Pfützen bilden, ein idealer Lebensraum für Moskitos, die Malaria übertragen können.

Der neue australische Umweltminister Peter Garrett, der früher mal Sänger der Rockgruppe Midnight Oil war, ist überzeugt: „Die meisten Australier wollen die Plastiktüten loswerden.“ Sein Argument: „Es fliegen schätzungsweise vier Milliarden Tüten herum, landen auf Müllkippen, bedrohen unsere Wildtiere und verschmutzen unsere Strände.“ Dem kann der Einzelhandelsverband gar nicht folgen. Der Vorsitzende Richard Evans findet: „Plastiktüten gehören zu unserem Leben.“ deh

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