Zeitung Heute : Der Tagesspiegel AM SONNTAG Jobben mit weißer Weste

Mit der Neuregelung zu den Mini-Jobs im Haushalt können Familien und Singles ihre Helfer ohne großen Aufwand legal beschäftigen

Rolf Winkel

Im April tritt die Neuregelung für Mini-Jobs in Kraft. Bisher schwarz beschäftigte Haushaltshilfen sollen legal eingestellt werden. Was müssen Haushalte tun und zahlen, wenn sie ihre Helfer künftig legal beschäftigen.

„Die Arbeit ist ganz angenehm und schlecht bezahlt ist sie auch nicht“, findet Jutta S., Mutter von drei Kindern im Alter von neun, sieben und fünf Jahren. Sie möchte nicht, dass ihr voller Name genannt wird. Verständlich: Hauptberuflich ist die 39-Jährige Mutter und Hausfrau, nebenher jobbt die gelernte Krankenschwester „schwarz“. Sieben Stunden pro Woche kümmert sie sich um eine ältere Dame, macht Ausflüge mit ihr, kauft ein und schafft etwas Ordnung in der Wohnung. Dafür gibt es einen Stundenlohn von elf Euro „bar auf die Hand“. Ehemann Klaus freut das: „Klar, ich verdiene gut, aber unser Haus ist noch nicht abbezahlt“, meint der 41-Jährige, der „eigentlich gegen Schwarzarbeit“ ist. Aber: „Wir können eben jeden Euro gut gebrauchen“.

Jobs in privaten Haushalten gibt es viele: Rund 3,5 Millionen Familien und Singles lassen sich nach Angaben der Hartz-Kommission privat helfen: beim Putzen, im Garten, bei kleineren Renovierungsarbeiten – in aller Regel in Schwarzarbeit. Aus den kleinen unangemeldeten Jobs in Privathaushalten sollen nun möglichst ganz normale Beschäftigungsverhältnisse werden: Mit Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Unfallversicherung und – wenn auch minimalen – Ansprüchen bei der Rentenversicherung. Dafür soll die Reform der Mini-Jobs sorgen, die im April in Kraft tritt.

Wenig Bürokratie bei kleinen Jobs

Kleine Jobs im Haushalt, bei denen monatlich höchstens 400 Euro gezahlt werden, sind ab 1. April gleich mehrfach begünstigt. Sie sind für den Arbeitnehmer abgabenfrei, für den Arbeitgeber sind sie preiswert und mit wenig Bürokratie verbunden. Letztere müssen lediglich den so genannten Haushaltsscheck ausfüllen, mit Angaben zum Arbeitgeber und -nehmer (Name, Adresse und Rentenversicherungsnummer) und zur Höhe des Gehalts. Nach der Art der Tätigkeit wird im Haushaltsscheck nicht gefragt. Bei der Bundesknappschaft, die ab April für die Mini-Jobs zuständig ist, geht man der Einfachheit halber davon aus, dass es sich bei Beschäftigungsverhältnissen, die per Haushaltsscheck gemeldet werden, um haushaltsnahe Dienstleistungen handelt. Prüfungen sind in aller Regel nicht vorgesehen – und auch nicht machbar.

Mehr bürokratischer Aufwand ist nicht erforderlich, wenn eine Familie oder ein Single ganz offiziell eine Hilfe für Haushalt, Garten, Kinderbetreuung oder auch leichte Renovierungsarbeiten anstellen will. Anders als Betriebe müssen Arbeitgeber aus Privathaushalten beim Arbeitsamt keine Betriebsnummer beantragen und sich auch nicht an die Kranken- oder Rentenversicherungen wenden. Das alles erledigt die Mini-Job-Zentrale der Bundesknappschaft.

Jutta S. verdient derzeit 77 Euro wöchentlich. Als Monatslohn könnten 333,67 Euro (77 Euro x 4 1/3 Wochen) vereinbart werden – und damit weniger als 400 Euro. So würde die 39-Jährige den Betrag „brutto für netto“, also ohne Abzüge erhalten. Ihre Arbeitgeberin, die ältere Dame, müsste 13,3 Prozent vom Lohn an die Bundesknappschaft abführen, das wären aufs Jahr gerechnet 532,53 Euro. Dazu kämen noch 45 Euro Unfallversicherungsbeiträge im Jahr. Die Beiträge sind regional unterschiedlich. Jutta S. wäre damit versichert, wenn sie beispielweise auf nassen Fliesen in der Küche ihrer Arbeitgeberin ausrutschen würde oder auf dem Weg zur alten Dame einen Autounfall hätte.

Die Arbeitgeber-Zahlungen zur Sozialversicherung bringen den Haushaltshilfen allerdings wenig. Die neben einer Pauschalsteuer (zwei Prozent) fälligen Beiträge zur Krankenversicherung (fünf Prozent) verbessern zwar die Finanzsituation der Kassen, krankenversichert wäre Jutta S. dadurch jedoch nicht.

Das ist für die dreifache Mutter kein Problem, weil sie über ihren Ehepartner familienversichert ist. Bei der Rente würde ihr ein Beschäftigungsjahr im Mini-Job einen zusätzlichen monatlichen Anspruch von lediglich 91 Cent bringen. Ob sich für sie eine (mögliche) Aufstockung des Beitrags lohnen würde, kann sie bei der Rentenversicherung erfahren. Auch dann würde ihr der Haushaltsjob zwar keine hohe Rente bringen, die volle Beschäftigungszeit im Mini-Job würde aber auf die „Wartezeiten“ bei der Rente angerechnet und bei Bedarf Ansprüche auf eine berufliche Rehabilitation und eine Rente wegen Erwerbsminderung sichern.

Wichtig für Beschäftigte wie Arbeitnehmer sind die Umlagen „U1“ und „U2“, die die Mini-Job-Zentrale ebenfalls einzieht. Für diese Umlagen werden für den Arbeitgeber insgesamt 1,3 Prozent vom Lohn fällig. Sie zahlen sich aus, wenn Jutta S. krank oder nochmals schwanger würde. Die Jobber haben nämlich – wie alle Arbeitnehmer – Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und in der Mutterschutzfrist. Die Arbeitgeber können sich jedoch aufgrund der von ihnen geleisteten Umlagen den Löwenanteil (70 Prozent) der Lohnfortzahlung von der Bundesknappschaft erstatten lassen.

Finanzamt zahlt Geld zurück

Wer einen 400-Euro-Job ausübt – egal ob im Haushalt oder außerhalb -, hat nichts mit dem Finanzamt zu tun. Den Lohn könnte Jutta S. also – wie bislang schon als Schwarzarbeiterin – steuerfrei kassieren. Ihre Arbeitgeberin könnte die Ausgaben für den Mini-Job (einschließlich der Lohnnebenkosten) beim Finanzamt geltend machen. Zehn Prozent der Gesamtausgaben – genau 456,15 Euro sind das in diesem Fall – würde das Amt ihr im Jahr erstatten.

Mehr Infos und die Broschüre „Mini-Jobs“ am kostenlosen Info-Telefon der Bundesknappschaft: 08000 / 20 05 04. Den Haushaltsscheck verschickt die Mini-Job-Zentrale in 45115 Essen, www.Haushaltsscheck.de .

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