Zeitung Heute : Der Teufel steckt im Detail

PETER KNAAK

Versteckte Kosten bei "Billigtarifen" der MobilfunkanbieterVON PETER KNAAK

Jeden Monat gewinnen nach eigenen Angaben die Mobilfunkanbieter in Deutschland etwa 200.000 neue Kunden.Die schauen meist recht genau auf die kostenbestimmenden Eckpunkte eines Tarifs - Minutenpreis, Taktzeit und monatlicher Grundpreis.Doch einige der Telefongesellschaften greifen dem Kunden mit versteckten Nebenkosten viel unauffälliger in die Tasche als beispielsweise mit einer offenkundig langen Taktzeit.Die Stiftung Warentest nahm die Tarife mit Stand 1.Juni 1996 unter die Lupe und fand so manches Haar in der Suppe.Eine 29 Punkte umfassende "Hitliste" nennt typische Nebenkosten, die einmalig oder monatlich mit fünf bis über 100 Mark zu Buche schlagen.Keine Frage, solche Nebenkosten fressen die zehn bis 30 Mark monatlich betragenden Preisvorteile einiger Tarifmodelle auf.Einige Beispiele zeigen, worum es geht: Anbieter wie Debitel, MobilCom, Talkline und Unicom kassieren zwischen zehn und 17 Mark für den Eintrag des Kunden in das Telefonbuch der Telekom - eine Leistung, die nicht nur selbstverständlich, sondern gemeinhin kostenlos ist. Wer einen Vertrag mit besonders langer Laufzeit abschließt, bekommt meist die einmaligen Anschlußkosten erlassen.Das ist bei AlphaTel nicht selbstverständlich.Hier werden trotz dreijähriger Laufzeit über 80 Mark Anschlußkosten berechnet. Besonders teuer wird es, wenn der Anrufbeantworter (Mail- oder Mobilbox genannt) nicht kostenlos bereitgestellt wird.Bei AlphaTel, Dekraphone, MobilCom und Talkline müssen bis zu fast 30 Mark einmalig für das Einrichten der Mailbox berappt werden.Besonders bitter sind die mehr als zehn Mark, die MobilCom bei einigen Tarifmodellen darüber hinaus monatlich für die Bereitstellung der Mailbox verlangt.Beides sind Leistungen, die die Netzbetreiber kostenlos zur Verfügung stellen. Um die Telefonkosten im Zaum zu halten, greifen vor allem Geschäftsleute für internationale Verbindungen auf sogenannte Callback-Dienste zurück oder benutzen Calling-Cards (ausführlich nachzulesen in test 5 und 6/96).Dabei wird oft eine 0130er Rufnummer angewählt.Kostenfrei sind solche Anrufe bei Hutchison und MobilCom jedoch nicht; diese Anbieter kassieren auch für Anrufe auf die ansonsten kostenfreien Rufnummern der Callback-Dienste. Spitzenreiter der negativen Hitliste ist mit 19 Nennungen der Anbieter MobilCom.Auf den Plätzen zwei und drei folgen Drillisch (13) und AlphaTel (11).Mit jeweils drei Nennungen hielten sich DeTeMobil (D1), Mannesmann Mobilfunk (D2) und E-Plus-Service (E-Netz) vornehm zurück.Das war auch zu erwarten: Die Netzbetreiber geben die Konditionen im Mobilfunk vor und offerieren im Prinzip nur je zwei Tarifmodelle, zugeschnitten auf Wenig- und auf Vieltelefonierer.Die Telefongesellschaften ohne eigenes Netz, Service Provider genannt, treten als Zwischenhändler auf und verknüpfen die Kostenpositionen nach eigenem Gutdünken.Im Schnitt läuft das auf ein Nullsummen-Spiel hinaus.Nachteile - wie oben beschrieben - sollen für Kunden vorteilhafte Tarifelemente, wie etwa eine geringere monatliche Grundbelastung, ausgleichen.Wer sich den Vergleich der über 150 Tarifmodelle der Service Provider zutraut, kann hier durchaus sparen.Nur wer blind zu einem Angebot greift, verlockt etwa durch einen sensationell niedrigen Handypreis, ist fast automatisch in einem besonders teuren Tarif gefangen.Diesen Risiken ist man bei den Netzbetreibern nicht ausgesetzt, sie halten sich in allen Details schön im Mittelfeld und sind daher die erste Wahl für alle, die sich vom Durchforsten der Tarifvielfalt im Mobilfunk überfordert fühlen.Der Autor ist Redakteur bei der Zeitschrift "test" der Stiftung Warentest.Die Zeitschrift ist im Handel erhältlich oder zu bestellen bei Stiftung Warentest, Vertrieb, Postfach 81 06 60, 70523 Stuttgart.

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