Zeitung Heute : Der Ticket-Skandal hinterläßt Wirkung

PARIS .Unter dem Eindruck des Ticket-Skandals bei der Weltmeisterschaft ändern der Internationale Fußball-Verband (FIFA) und sein Vermarktungspartner ISL Worldwide ihre Marketing-Strategie.Künftig will die FIFA die Vermarktung stärker in die eigene Hand nehmen."Das auf zwei Parallel-Systemen basierende System, das dem Organisationskomitee die Leitung seines eigenen Programms auf eigene Rechnung auferlegte, war nicht zufriedenstellend", sagte der stellvertretende ISL-Präsident Glen Kirton.Die FIFA will ihre Strategie der des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) angleichen, das das Vermarktungskonzept weitgehend selbst in Händen hält und nur einen bestimmten Prozentsatz der Einkünfte den Komitees überweist.

Als weitere Neuerung wird ISL bei den kommenden Titelkämpfen 2002 gemeinsam mit der deutschen Kirch-Gruppe für die Produktion der TV-Bilder verantwortlich sein.Die FIFA hatte die TV-Rechte an der WM in Japan und Südkorea für 1,3 Milliarden Schweizer Franken (1,5 Mrd DM) an die Kirch/Sporis-Gruppe verkauft.ISL und Kirch gemeinsam produzieren nun das sogenannte Weltbild, das an alle angeschlossenen TV-Sender weiterverkauft wird.Das bedeutet für die ISL auch Einfluß auf die für den europäischen Werbe-Markt wichtigen Anstoßzeiten der WM-Spiele.Wegen der Zeitverschiebung zwischen Asien und Europa fürchten Sportler und auch Mediziner schon jetzt, daß unter dem Druck des Fernsehens Spiele am Morgen ausgetragen werden.

Kirton wies in Paris erneut jegliche Verantwortung für den Ticket-Skandal um bezahlte, aber nicht ausgehändigte WM-Karten zurück, der das Tochterunternehmen ISL France in die Schlagzeilen gebracht hat.ISL Worldwide wird als Reaktion darauf nun die Mehrheit an ISL-France erwerben."Wir werden die fehlenden 51 Prozent übernehmen", kündigte Kirton an.Die ISL/Luzern hatte als Exklusivpartner der FIFA bisher lediglich 49 Prozent an der französischen Tochterfirma gehalten.Um das laufende Geschäft von ISL France weiterzuführen und den Imageschaden wegen der Tickets zu begrenzen, strebt sie jetzt den Mehrheitsbesitz an.Zusätzlich zu den juristischen Ermittlungen gegen drei Mitarbeiter hat ISL auch intern eine Betriebsprüfung eingeleitet.

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