Zeitung Heute : Der Titelkampf

Promovieren oder lieber doch ein Masterstudium machen? Welcher Abschluss zu welcher Branche passt

Cornelia Wagner

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – das gilt heute nicht mehr. Wer ein Hochschulstudium abgeschlossenen hat, wird erworbenes Wissen auf dem neuesten Stand halten wollen und halten müssen. Zudem erhoffen sich viele von einer weiteren Qualifikation bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ein höheres Gehalt und bessere Positionen.

Nach dem Abschluss eines Erststudiums ergeben sich verschiedene Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung. Es kann ein Doktortitel erlangt werden, einer der neu eigeführten Master-Titel, allen voran der wohl bekannteste, der Master of Business Administration (MBA), oder auch exotischere Titel wie zum Beispiel der Executive Master of Business Marketing (Executive MBM) oder der Doctor of Business Administration (siehe Kasten). Die Entscheidung für oder gegen die verschiedenen akademischen Ehren hängt vor allem von zwei Fragen ab: den beruflichen Zielen und der gewählten Fachrichtung.

„Wer eine Hochschulkarriere anstrebt, für den stellt der Doktortitel ein formales Muss da“, sagt Bernhard Hohn von der Bundesagentur für Arbeit. Auch in anderen Branchen ist ein Doktortitel von Vorteil, vor allem in den naturwissenschaftlichen Bereichen Chemie und Biologie. „Ohne Promotion hat man in der Chemiebranche keine Chance, in der Forschung tätig zu werden“, bestätigt Lutz Rachner, Seniorberater der Personal- und Unternehmensberatung Kienbaum in Düsseldorf. Eine Promotion zeugt davon, dass Erfahrungen in der Forschung vorhanden sind und bereits ein Netzwerk aufgebaut wurde. Wer als Mediziner eine Krankenhaus-Karriere anstrebt, für den ist die Promotion ebenfalls Pflicht. Bei der Eröffnung einer Arztpraxis reicht unter Umständen auch der Facharzt aus.

„Für andere Branchen ist eine Promotion nicht notwendig, aber vorteilhaft“, sagt Arbeitsmarkt-Experte Hohn. „Bei freien Berufen wie Unternehmensberatern oder Juristen, in denen viel Wert auf die Außendarstellung gelegt wird, ist ein Doktortitel sicher von Vorteil.“

Beim Elekrotechnik-Konzern Siemens werden vor allem technisch-naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Absolventen benötigt. „Ein Doktortitel ist für eine Bewerbung bei uns nicht notwendig“, sagt Michael Scheuer. „Im Einzelfall kann die Promotion bei einer Ausschreibung ein Kriterium sein, wenn es notwendig ist, dass man sich bereits intensiv mit einem Thema befasst hat.“

„Im Beratungsgeschäft ist ein Doktortitel nicht unbedingt notwendig“, sagt Rachner von Kienbaum. „Man bekommt nicht zwangsläufig ein höheres Gehalt oder eine bessere Position. Aber die Akzeptanz gegenüber dem Kunden ist größer.“ Die Zahl der promovierten Kollegen sei allerdings höher als in der Wirtschaft. Da schlage sich eine Promotion auch auf die Höhe des Einstiegsgehalts aus. „Aber auch dieser Trend relativiert sich zunehmend“, so Rachner, „weil immer mehr die Leistung zählt.“

Zurück zur Uni: Die Umstellung von Diplom- und Magisterstudiengängen auf Bachelor und Master ist in vollem Gange. „In der Praxis herrscht zwar häufig noch eine hohe Skepsis gegenüber diesen Abschlüssen“, sagt Rachner. „Aber sie machen Hoffnung auf einen höheren Praxisbezug während des Studiums und eine fachspezifischere Ausbildung.“ Die neuen Titel werden in den nächsten Jahren immer stärker das Studienangebot prägen. Rolf Busch vom Weiterbildungszentrum der Freien Universität Berlin geht davon aus, dass die Abschlüsse Diplom und Magister in rund drei Jahren verdrängt wurden.

Bei Masterstudiengängen wird zwischen zwei Varianten unterschieden: Zum einen solche, die inhaltlich auf einen Bachelorstudiengang aufbauen und diesen fachlich fortführen oder vertiefen. Zum anderen weiterbildende Studiengänge, die eine mindestens einjährige qualifizierte Berufspraxis und ein Erststudium voraussetzen. Entsprechend den einzelnen Fächergruppen werden die Abschlussbezeichnungen Master of Arts (M.A.), Master of Science (M.Sc.) oder Master of Engineering (M.Eng.) vergeben. Der Master of Business Administration (MBA) wird für Weiterbildungsstudiengänge im Bereich der Wirtschaftswissenschaften verliehen. Er ist das weltweit bekannteste Masterstudium, wird in unterschiedlichen Formen im In- und Ausland angeboten und kann als Voll- oder Teilzeitstudium absolviert werden.

Im Trend liegen außerdem so genannte Executive Master für Fach- und Führungskräfte mit langjähriger Berufserfahrung. Berufsbegleitend und innerhalb eines Jahres können sich zum Beispiel die Teilnehmer des international anerkannten Executive MBM-Programms der FU-Berlin im Fernstudium modernes Marketing- und Vertriebswissen, Controlling, Strategieplanung und Management aneignen. Und auch den Master of Business Administration gibt es immer häufiger in der „Executive-Variante“.

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