Zeitung Heute : Der träumende Prinz und sein Ballett-Harem

STAATSBALLETT BERLIN Vladimir Malakhov inszeniert das romantische Ballettmärchen „La Péri“ – und fantasiert sich als Achmed in orientalische Paradiesgärten

SANDRA LUZINAD
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Shoko Nakamura tanzt am 4. und 12. März die Königin der Péris, Mikhail Kaniskin verkörpert den Prinzen Achmed.

Die Geschichte dieses Balletts ist ziemlich kompliziert“, sagt Vladimir Malakhov und nippt an seiner Cola. Der Intendant des Staatsballetts Berlin kommt gerade von den Proben zu dem „La Péri“. Dabei handelt es sich um eine wahre Ausgrabung: Das romantische Ballett, das 1843 an der Pariser Oper uraufgeführt wurde, war damals ein ungeheurer Erfolg, geriet danach aber bald in Vergessenheit.

Die elfenhaften Péris sind die persischen Cousinen der Wilis und der Sylphiden, sie sind im orientalischen Paradies beheimatet. Und wie alle romantischen Ballette erzählt auch „La Péri“ von der Liebe eines sterblichen Mannes zu einem übernatürlichen Geschöpf. Prinz Achmed ist seines verschwenderischen Lebens überdrüssig, er sehnt sich nach einer anderen Seinsform. Im Opiumrausch erscheint ihm die Königin der Péris mit ihren Begleiterinnen. Sie überreicht dem betörten Achmed einen Talisman, den er nur zu küssen brauche, damit sie ihm wieder erscheint. Doch der Angebeteten genügt es nicht, sich dank eines Zaubers begehrt zu wissen. Deshalb schlüpft sie in den Körper der getöteten Sklavin Leila, die mit der Seele der Péri wiederaufersteht. Der Prinz verliebt sich in Leila und erzürnt damit seine Favoritin Nourmahal. „Die Péri braucht einen Körper“, erklärt Malakhov mit Emphase. Die Liebe ist ja auch ein sinnliches Phänomen.

Malakhov erforscht mit großer Leidenschaft die Ballettgeschichte. Für „La Péri“ hat er alte Lithografien betrachtet, die Carlotta Grisi als Luftgeist zeigen, sehr genau hat er die Position der Arme, den sublimen Stil studiert. Er hat sich in die Schriften des Librettisten Théophile Gautier vertieft und sich drei Videos mit Rekonstruktionen aus „La Péri“ besorgt. Malakhovs Choreografie ist aber keine Rekonstruktion des Originals von Jean Coralli, sondern eine Neukreation. Er nähert sich dem unbekannten Ballett vor allem über die Musik von Friedrich Burgmüller an, sie hat seine choreografische Fantasie beflügelt. Außerdem machte er einen glücklichen Fund. Als ein Musiksammler aus Minneapolis starb, entdeckte Malakhov in dessen Nachlass eine Orchesterfassung von „La Péri“ auf Mikrofilm. Die Partitur wurde um weitere Kompositionen Burgmüllers ergänzt und neu arrangiert.

Den Kontrast zwischen der engelgleichen Péri und der sinnlichen Leila herauszuarbeiten, ist natürlich reizvoll für den Choreografen. Für die Péri hat er luftige Bewegungen ersonnen, Leilas orientalisierender Tanz ist dagegen sinnlich und geerdet. Malakhov selbst wird bei der Premiere den Achmed verkörpern, eine Rolle nach seinem Geschmack: der Prinz in seinem betörenden Ballett-Harem. Eine choreografische Schwierigkeit muss er noch meistern: den berühmten Sprung aus den Wolken, die Grisi soll bei diesem Bravourstück damals ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. „Sprung aus den Wolken“, sagt Malakhov und schüttelt den Kopf, „wie soll das gehen, ohne dass man sich alle Knochen bricht?“ Eine szenische Lösung wird ihm gewiss noch einfallen. Denn der Startänzer hat auf der Bühne schon manches Wunder vollbracht. SANDRA LUZINA

Premiere 27.2., 19 Uhr in der Staatsoper

Vorstellungen 4., 11. und 12.3., jeweils 19.30 Uhr

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