Zeitung Heute : Der Trend geht zum Zweit- und Drittbrowser

KLAUS GÜRTLER (AP)

Wer bei einem Online-Dienst wie T-Online, AOL oder Compuserve Kunde ist, bekommt zur Begrüßung und danach oft auch laufend per Post eine fertige Software, die schon alles enthält, was für die Reise im Internet gebraucht wird.Dazu gehört als wichtigster Bestandteil auch ein Browser, der entweder Microsoft Internet Explorer oder Netscape Communicator heißt.Darüber hinaus gibt es aber noch rund zwei Dutzend anderer Programme, mit denen es sich - zum Teil viel schneller - durch das Internet reisen läßt.Vorausgesetzt man hat sich die Mühe gemacht, und die Programme gesucht, gefunden und installiert.

Aber wer macht das schon? Zurecht wird sich Otto-Normalsurfer fragen: Wozu brauche ich denn noch einen Browser, wenn meiner doch schon alles kann.Doch was heute oft unter dem Namen Browser läuft, hat damit nur noch recht wenig gemein.Sowohl der Internet Explorer, als auch der Netscape Communicator sind komplette Programmpakete.Der Internet Explorer könnte es in der Version 5.0, die derzeit erprobt wird, auf 50 MB bringen, eine Größe, bei der noch vor wenigen Jahren jede Festplatte erblaßt wäre.Der genaue Umfang und der Erscheinungstermin stehen aber noch nicht fest.Vielleicht wird ja noch deutlich abgespeckt.Der Communicator 4.5 braucht in der Betaversion immerhin noch 13 MB.Dafür gibt es dann aber auch neben dem eigentlichen Browser noch ein E-Mail-Programm und vieles mehr.

Jedoch haben die großen Programme zumindest einen kleinen Nachteil: Sie sind doch recht schwerfällig, sowohl beim Start als auch bei der Bearbeitung von Web-Seiten im Internet.Und da Surfen im Internet wegen der Telefongebühren in Deutschland nicht gerade billig ist, können Alternativen recht attraktiv sein.In puncto Schnelligkeit gibt es in der Tat mindestens zwei Browser, die den Etablierten deutlich überlegen sind.Ein vollwertiger Ersatz sind sie aber noch nicht.

Zu nennen bei den Alternativen ist vor allem Opera .Dieser Browser norwegischen Ursprungs besticht durch Schnelligkeit und seinen kleinen Umfang.Die inzwischen vorliegende Version 3.21 paßt beim Download mit ihren 1,1 MB locker auf eine Diskette.Auf der Festplatte sind es dann 1,7 MB.Im Test von Computermagazinen war er teilweise doppelt so schnell wie der Internet Explorer.Allerdings beherrscht er noch nicht alle Programmiersprachen, so daß bei der Darstellung manchmal Fehlermeldungen auftreten können.Das soll sich aber bald ändern, wie Deutschland-Manager Helmar Rudolph auf Anfrage mitteilte.Die Version 3.5 mit weiteren Neuerungen soll schon in Kürze erscheinen, die Version 4.0 soll dann ein vollständiges E-Mail-Programm haben, über vollständige Java-Unterstützung verfügen - und schlank bleiben.Ein Veröffentlichungsdatum steht noch nicht fest.Daß das Programm nach einer 30tägigen Testphase 70 Mark kostet, scheint nicht abschreckend zu wirken.Seit Anfang des Jahres haben sich alleinin Deutschland einige Tausend Kunden registrieren lassen.

Noch schneller als Opera ist nur Lynx , ein Nur-Text-Browser für MS-DOS, den es aber auch in einer Version für Windows 95 gibt.Die Bedienung ist allerdings gewöhnungsbedürftig, da die Maus nicht zum Einsatz kommt und der Bildschirm mangels bunter Bildchen etwas trist und auch unübersichtlich wirkt.Der Luchs ist kostenlos, braucht nur 0,6 MB im Download und 1,4 MB auf der Festplatte und ist für die schnelle Recherche im Internet als Zweit- oder Drittbrowser geradezu ideal.

Einen guten Überblick über weitere Browser gibt es im Internet bei Download.com oder in der Rubrik "Browserboulevard" bei Browserwatch , wo sich Internetprogramme auch für andere Betriebssysteme als Windows finden.Die Alternativen sind aber teilweise für den Alltagsgebrauch wenig tauglich.So gibt es zum Beispiel vom Internet-Konsortium W3C den Browser Amaya .Er ist eher noch langsamer als die Großen, dürfte aber vor allem für Entwickler von Web-Seiten interessant sein, da sich die Strukturen der Seiten nach verschiedenen Kriterien aufrufen lassen.Mit neueren Webseiten, die nicht dem offiziellen W3C-Standard entsprechen, hat Amaya aber so seine Probleme.

Auch den Urvater der heutigen Browser, Mosaic , gibt es noch, und er wird weiter entwickelt.Mit ihm läßt sich recht ordentlich arbeiten, er bietet aber nur wenig anderes als andere Browser.

Dann wäre da noch Hotjava , der Browser des Softwarehauses Sun.Die Tatsache, daß er völlig in Java geschrieben wurde, hat aber wohl dazu geführt, daß er sehr langsam und für die deutschen Telefontarife zu langsam ist.Für Java-Programmierer oder an dieser Sprache Interessierte ist er aber Pflicht.

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