Zeitung Heute : Der wahre Mister Q

Der Tagesspiegel

Das Lachen knarzt freundlich. Hä, hä, hä. Es ist das Lachen eines langen Raucherlebens. Aber wo ist die Zigarre? Hat Ken Adam am Ende noch das Rauchen aufgegeben? Auf allen Fotos am Filmset hat er doch diesen Stengel zwischen den Lippen. Where’s your cigar? Ken Adam greift ins Jackett und zieht ein kleines Etui heraus. Er habe ja nicht gewusst, ob er in der Englischen Botschaft rauchen darf. Das riecht stark nach Ausrede. Wahrscheinlich haben seine Zigarren zu viel Sprengkraft. Adam hat an sieben James-Bond-Filmen mitgewirkt. Auf der Pressemappe steht: „Er ist der wahre Mr. Q" Ken Adam ist der Star hinter den Kulissen Hollywoods, einer der wichtigsten Filmdesigner, ein großer Künstler, wie seine Anhänger schwärmen. In mehr als 80 Filmen hat er das Dekor entworfen und die Sets eingerichtet.

Adam schuf das futuristische Ambiente des „Dr. No“ und von Kubricks Klassiker „Dr. Seltsam - oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben.“ Zuletzt entwarf er die Kulissen für Istvan Szabos „Taking Sides - Der Fall Furtwängler.“ Zwei Oskars bekam er für seine Arbeit. 80 Jahre ist er inzwischen alt, da war es Zeit, an ein Buch zu denken, eine Lebensgeschichte: „James Bond, Berlin, Hollywood. Die Welten des Ken Adam". Geschrieben wurde es vom Spiegel-Redakteur Alexander Smoltczyk. Zur Premiere flog Adam mit seiner Frau Letizia ein und lächelte braun gebrannt in die Kameras.

Ken Adam hieß früher Klaus Hugo Adam und lebte die ersten 14 Jahre seines Lebens in Berlin. Sein Vater führte ein großes Geschäft für Sportbekleidung an der Friedrichstraße. Es mangelte an nichts. Im Adlon wurden rauschende Feste gefeiert. Klaus ging aufs Französische Gymnasium und trieb Sport. „Eine herrliche Kindheit“, sagt er. Bis die Nazis kamen. 1934 emigrierte die jüdische Familie nach London. Klaus ging als Ken zur Royal Air Force und jagte aus der Luft nach deutschen Panzern. Als der Krieg aus war, vermittelte ihm seine Schwester Loni mehr aus Zufall einen Job als Filmzeichner in den Londoner Riverside Studios. Ken Adam war angekommen, wo er hingehörte.

Nach Berlin kam Adam in den letzten Jahren immer öfter - wegen diverser Projekte, aber auch ein wenig aus Nostalgie. „Ich liebe das Berlin, das ich aus meiner Kindheit kenne“, sagt er in fast akzentfreiem Deutsch. An der Friedrichstraße sei davon nichts mehr übrig. Einen Verlustschmerz empfindet er aber nicht. Er sei Kosmopolit.

Nirgendwo habe er sich als Fremder gefühlt, auch nicht in Hollywood. Zu hause war er immer dort, wo gerade das Set aufgebaut wurde und Letizia für frische Pasta sorgte.

Und die Bond-Filme? Bei den ersten sieben war er dabei. Sehr relaxed sei es am Set zugegangen. Dr. No wurde mit weniger als einer Million Dollar gedreht, erzählt Adam. Da war er gezwungen, visionär zu denken. „Für mich war das wie Therapie. Ich konnte mich austoben.“ Kommandozentralen zu entwerfen, fiel ihm nicht schwer. „Alex (der Buchautor) meint, ich wäre da von meiner Kindheit und der NS-Zeit beeinflusst, aber ich bin mir dessen nicht bewusst.“ Zu seiner Zeit waren die Bösen ja noch wichtiger als 007 - deshalb findet er die alten Bond-Filme klar besser. Thomas Loy

Am Sonntag läuft im Delphi „Dr. No". Beginn: 12 Uhr. Ken Adam beantwortet danach Fragen. Das illustrierte Buch „Die Welten des Ken Adam“ ist im Nicolai-Verlag erschienen und kostet knapp 25 Euro.

Thomas Loy Tel. 030 46601100 Fax. 030 46601110 e-mail: raeuber.loy@t-online.de ÿ

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