Zeitung Heute : Der Weg zum Traumjob - ein Alptraum

ANNEGRET STANDKE,VERENA KUHLEMANN<BR>

"Am liebsten möchte ich Chemikerin werden.Meine Eltern sind auch Chemiker.Aber sie meinen, der Beruf hat keine Zukunft, also lerne ich etwas anderes", erzählt die 17jährige Christine.Und so geht es vielen! Fragt man Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren, so erhält man schon eher eine Antwort auf die Frage nach dem Traumberuf.Von Superstar über Batman bis Feuerwehrmann - ihre Berufswünsche kennen keine Grenzen.Auch viele Ältere haben noch einen Traumberuf, sind aber eher pessimistisch, was seine Verwirklichung betrifft

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist nämlich schlecht, um nicht zu sagen katastrophal.Es gibt zu wenig Ausbildungs- und Studienplätze.Und selbst, wenn man seine Ausbildung oder sein Studium ordentlich abgeschlossen hat, ist dies noch keine Freikarte für einen Arbeitsplatz.Viele Schüler wissen nicht, welchen Beruf sie später einmal ausüben wollen.Aber auch wenn sie dies wissen, gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit seinen Berufswunsch zu verwirklichen, ohne von den schulischen Anforderungen und / oder der Arbeitsplatzsituation gebremst zu werden?

Vanessa, 17, wollte eigentlich eine Ausbildung als Bankkauffrau starten.Da sie aber keine Lehrstelle bekommen hat, wählte sie eine Ausbildung zur Landvermesserin, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, daß dies ihr Spaß machen könnte."Aber was soll ich machen? Irgendeinen Beruf muß ich ja wohl ausüben", meinte sie.Das heißt, daß Vanessa wahrscheinlich ihr ganzes Leben lang in einem Beruf arbeiten muß, der ihr eigentlich keinen Spaß macht.Freie Berufswahl scheint es kaum noch zu geben.Entweder wird man durch die nicht vorhandenen Lehrstellen und Studienplätze gebremst - oder von den geforderten Notendurchschnitten, die teilweise kaum noch zu erreichen sind.

Für ein Medizinstudium braucht man ein Abitur von etwa 1,5! Aber selbst, wenn dieses erreicht ist, muß man noch die finanziellen Mittel haben.So scheinen die Jugendlichen keine großen Erwartungen zu haben, was Ihren Einstieg in die Berufswelt betrifft.Traumberufe haben zwar alle einmal gehabt, viele haben diese aber im Laufe der Zeit verworfen oder glauben nicht mehr an ihre Verwirklichung.

Schon in der Schule erfährt man mehr über die Anforderungen, die man für verschiedene Berufe erfüllen muß.Viele überlegen, ob es überhaupt einen Sinn hat, auf bestimmte Berufe hin zu arbeiten.Ein anderer Teil der Schüler merkt bei der Suche nach einem Praktikumsplatz, wie schwierig es sein kann, im gewünschten Berufszweig tätig zu werden.Wenn man die Zahlen der Schulabgänger mit denen der Ausbildungsplätze vergleicht, kann man verstehen, daß die meisten Schüler nicht mehr sehr zuversichtlich sind, da es jedes Jahr deutlich weniger Lehrstellen als Bewerber gibt.Aber viele Arbeitgeber können es sich einfach nicht mehr leisten, Lehrlinge einzustellen oder finden es nicht rentabel genug.Auch den Universitäten wird nicht mehr genügend Geld vomStaat gestellt.Überfüllte Hörsäle, alte bzw.keine Bücher und hohe Studiengebühren sind die Folgen.

In der heutigen Situation scheinen Traumberufe und die Realität kaum noch zusammen zu passen, aber manchmal kann man seine Träume auch verwirklichen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben