Zeitung Heute : Der Weihnachtsmann macht Probleme – in der Statistik

Der Tagesspiegel

Von Sigrid Kneist

Genau 11 698 Vermittlungen haben die Berliner Arbeitsämter im letzten Monat verzeichnet. Rückschlüsse darauf, wie viele davon Arbeitslosen zugute kamen, darf man aus dieser Zahl aber nicht schließen. Denn ein gutes Drittel davon betrifft Jobs, die für weniger als sieben Tage vermittelt wurden. Oftmals lag die Beschäftigungsdauer sogar nur bei einigen Stunden. Bei der Job-Vermittlung am Beusselmarkt etwa, die dem Arbeitsamt Nord zugeordnet ist, werden in den frühen Morgenstunden in der Regel nur kurzfristige Handlangerjobs vergeben. Wenn die normale Arbeitszeit in der Stadt beginnt, ist dort das Geschäft schon längst erledigt.

Die Arbeitsvermittlung macht nur einen kleinen Teil des Betätigungsfeldes der Arbeitsämter aus. Die Vermittler stellen lediglich 15,8 Prozent der insgesamt 3350 Mitarbeiter in den Arbeitsämtern. Drei dieser Jobvermittlungen gibt es insgesamt in Berlin: Neben der am Beusselmarkt noch jeweils eine an der Messe und an der Sonnenallee. In den betreffenden Arbeitsämtern betrifft dann knapp die Hälfte der gesamten Vermittlungen lediglich kurzfristige Beschäftigung. Um die Vermittlungen in Anspruch nehmen zu können, braucht man auch nicht arbeitslos gemeldet zu sein. Für Arbeitsamtsinsider bergen selbst die Vermittlungen kurzfristiger Jobs genügend statistische Probleme. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Weihnachtsmannservice, der über die an der FU angesiedelte Vermittlungsagentur „Heinzelmännchen“ angeboten wird. Da bekommt etwa ein Student an einem Tag das Angebot, in fünf Familien für jeweis eine Stunde den Weihnachtsmann zu spielen. Da taucht für den Vermittler die Frage auf, ob man dieses als fünf Vermittlungen oder lediglich als eine einzige verbucht. Möglich sind nach den Erfahrungen eines Arbeitsamtsmitarbeiters beide Varianten. Zudem könne man das Ganze statistisch noch unterteilen in die Vermittlung eines Arbeitnehmers auf fünf verschiedene Stellen. Deswegen könne es Differenzen bei der Erfassung von vermittelten Arbeitskräften und vermittelten Stellen geben.

Problematisch ist aber auch die Verbuchung von Stellenangeboten. Manche Vermittler löschen nach Auskunft von Mitarbeitern kurzfristig ältere Stellen aus dem Stelleninformationssystem, um sie direkt danach wieder hereinzustellen. Denn aus Erfahrung wisse man, dass Arbeitssuchende bei Stellen, die schon länger angeboten werden, einen Haken vermuten und diese nicht für attraktiv halten. Aus diesem Grund gebe man die Jobs dann wieder mit einem neuen Eingabedatum ein.

Die gelöschte Stelle müsse dann korrekterweise als Stornierung gebucht werden, sagt ein Mitarbeiter. Dies geschehe in manchen Fällen aber nicht, weil die Abteilungsleitung bestimmte Quoten bei der Stellenbesetzung sehen wolle. Um diese Vorgaben zu erfüllen, markiere man stattdessen eine Vermittlung.

Manchmal lässt sich für Vermittler darüber hinaus nicht nachvollziehen, auf welchem Weg Arbeitslose eine neue Beschäftigung gefunden haben.

Denn manchmal wollen diese auch vor dem neuen Arbeitgeber verheimlichen, dass sie über das Arbeitsamt gekommen sind.

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