Zeitung Heute : Der weite Weg in die Info-Gesellschaft

KURT SAGATZ

Der Weg in die Informationsgesellschaft ist weit.Auch Berlin steht noch am Anfang, wie am Freitag auf der 2.Informationsveranstaltung zum "Projekt Zukunft" deutlich wurde.Zwar wurden seit dem Start der Landesinitiative "Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft" Anfang des Jahres diverse Leitprojekte in den fünf Arbeitsgruppen identifiziert und thematisiert, doch über die reine Findungsphase sind bislang nur die wenigsten gekommen - darunter allerdings so wichtige wie "Computer in die Schulen", das Berliner Stadtinformationssystem, ein Facility-Management-Projekt zur besseren Nutzung der öffentlichen Grundstücke und Gebäude Berlins sowie Aktivitäten aus dem Bereich der Logistik.Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigt nicht zuletzt, daß von den 135 000 Berliner Unternehmen nach den Worten von Wirtschaftsstaatssekretär Wolfgang Branoner derzeit erst 14 Prozent mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten sind.

Trotz dieser eher ernüchternden Zahlen bleibt erkennbar, daß Berlin den gewandelten Aufgaben durchaus gerecht werden will.Ein Beispiel: Die Telekom ist bestrebt, ihr Kabelnetzgeschäft zu regionalisieren, unter anderem wegen des immensen Investitionsbedarf von bis zu 10 Milliarden DM bundesweit.Hier will Berlin nach Branoners Worten als eine der ersten Regionen Deutschlands mitreden, nicht zuletzt, um Einfluß auf wichtige Entscheidungen unter anderem bei den Gebühren zu erhalten.Behandelt wird das Thema auf höchster Ebene beim gerade erst eingerichteten Begleitkreis zur Landesinitiative, der direkt beim Regierenden Bürgermeister angesiedelt ist.

Daß Berlin überdies erkannt hat, daß es in der Konkurrenz der Standorte zumeist keine zweiten Sieger gibt, zeigt sich auch an der Beteiligung am Wettbewerb "Media@Komm", der vom Bundesforschungsministerium ausgelobt wurde und mit insgesamt 60 Millionen DM dotiert ist.Das Projekt "Euro@Berlin" gehört zu den 10 ausgewählten Einreichungen, die in die zweite Runde gelangten.Insgesamt hatten sich 130 Kommunen beworben.Bis November muß der Skizze nun ein Konzept folgen.Ziel des Multimedia-Projektes ist es, Wirtschaft, Verwaltung und Privathaushalten bei der Euro-Umstellung durch elektronische Informationen zu unterstützen.Zugleich soll dadurch der elektronische Handel für Unternehmen und Kunden gestärkt werden.

Der Bedarf danach ist in jedem Fall vorhanden.Eine Umfrage des BAT-Instituts in Hamburg ergab unlängst, daß nahezu jeder zweite Befragte sich mehr elektronische Kontaktmöglichkeiten zu Behörden wünscht.35 Prozent gaben an, stärker als bislang elektronisch einkaufen zu wollen und 30 Prozent zeigten gesteigertes Interesse an Electronic Banking.Diesen Wünschen soll auch durch das Berliner Stadtinformationssystem Rechnung getragen werden.Branoner zeigte sich zuversichtlich, daß es in absehbarer Zeit möglich sein wird, über das Stadtinfosystem Tickets für Opern, Theater oder Sportveranstaltungen zu buchen, nachdem jahrelange Rangeleien bislang eine gemeinsame Lösung unmöglich gemacht hätten.Elektronisches Ticketing könnte damit ein Bereich sein, in dem die Wege der Informationsgesellschaft kürzer werden.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben