Zeitung Heute : Der Weltmeister redet sich um Kopf und Kragen

PARIS (dpa).Titelverteidiger Brasilien ist auf dem besten Weg, sich in Frankreich um Kopf und Kragen zu reden.In den letzten beiden Wochen verging im Lager des Weltmeister fast kein Tag ohne Zwist und Intrigen.Neuester Streitpunkt ist die Maßnahme von Trainer Mario Zagalo, Mittelfeldspieler Giovanni nach dem schwachen Auftritt im Eröffnungsspiel gegen Schottland (2:1) aus der Stammformation zu werfen."Es wäre ungerecht, wenn er mich auf die Bank setzen würde", schimpfte der 26jährige vom FC Barcelona, der sich durch die ihm auferlegten Deckungsaufgaben überfordert fühlt.

Die Autorität von Zagalo wird immer stärker untergraben.Kapitän Dunga stänkerte gegen den Beschluß des 66jährigen, und auch Zagalo-Intimfeind Zico mosert."Es ist zu früh, einen Wechsel vorzunehmen", kritisierte der Ex-Stuttgarter seinen Chef."Man kann die Leistung eines Spielers nicht nach nur einer Halbzeit beurteilen.Vielleicht hat er nur einen schlechten Tag gehabt", meinte auch der technische Koordinator Zico, der vom Verband als "Aufpasser" für den Trainer installiert wurde.

Zagalo bleibt auf dem Weg zum erhofften fünften WM-Titel für sein Land noch relativ gelassen, kämpft aber mit starken Worten um seine Stellung."Ich bin der Trainer, und hier bestimme ich", sprach Zagalo in Richtung Dunga ein Machtwort.Gegen Marokko soll nun sein umstrittener Lieblingsschüler Leonardo als Alternative zu Giovanni zum Einsatz kommen.Aber gerade wegen des guten Verhältnisses zu Zagalo ist auch Leonardo ins Gerede geraten."Ich habe mir den Stammplatz ehrlich erkämpft", verteidigte sich der Hitzkopf, der 1994 gegen die USA vom Platz geflogen war.

Von Ruhe kann trotz des Auftaktsieges gegen die Schotten keine Rede sein.Auch um die Position im Sturm neben Superstar Ronaldo gibt es eine öffentliche Diskussion.Es mehren sich die Stimmen, die sich für Edmundo an der Seite von Ronaldo aussprechen."Ich würde Ronaldo gemeinsam mit Edmundo und Denilson aufstellen, vor allem gegen massive Abwehrreihen", meinte Fußball-Idol Pele.Ein weiterer Befürworter von Edmundo ist der ausgebootete Star von 1994, Romario, der nun als TV-Kommentator arbeitet.Er läßt keine Gelegenheit aus, gegen Zagalo zu sticheln.Der 34jährige Bebeto, der gegen Schottland glücklos agierte, sieht schon seine Felle wegschwimmen: "Ich habe gemacht, was von mir verlangt wurde, und keine Lust, aus der Mannschaft zu fliegen."

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