Zeitung Heute : Der Zauber beim Drehen

ANDREAS CONRAD

Alles fließt, das wußten schon die alten Griechen.Angeblich gibt es Regeln, nach denen ist das Leben, also auch die Berlinale, strukturiert, und die Aufgabe des Menschen liegt nun darin, diese aus dem langen ruhigen Fluß herauszufiltern.

Die aktuellen Filmfestspiele schienen zu lehren: Wenn ein Darsteller in mehreren Filmen zu sehen ist, kommt er auch.Siehe Nick Nolte ("The Thin Red Line", "Breakfast of Champions"), siehe auch Penélope Cruz ("La Niña De Tus Ojos", "Hi-Lo Country").Nur bei Woody Harrelson ("The Thin Red Line", "Hi-Lo Country") stimmt es schon wieder nicht.Zwar war sein Kommen im Gespräch, von der Festspielleitung auch avisiert worden, doch das blieb nur ein frommer Wunsch, und so trösten wir uns eben mit Patricia Arquette, die mit Regisseur Stephen Frears, aber eben ohne Woody den gemeinsamen Cowboy-Film vorstellen wird.Und trösten wir uns vor allem mit der schönen Penélope, in "Hi-Lo Country" die Gegenspielerin Patricias.Der Film war ihre erste Hollywoodproduktion, hatte, wie sie gestern auf der Pressekonferenz zu Fernando Truebas "Das Mädchen deiner Träume" erzählte, das doppelte Budget eines großen spanischen Films.Unterschiede beim Arbeiten seien ihr trotzdem kaum aufgefallen.Im März gibt es bereits ihren zweiten Hollywood-Ausflug, in "Pretty Horses" an der Seite von Matt Damon.

In Spanien gehört Penélope Cruz, die in "Jamón Jamón" (Bigas Luna) und "Belle Epoque" (Fernando Trueba) entdeckt worden war, schon heute zu den begehrtesten Stars, für ihre Rolle in dem spanischen Berlinale-Beitrag war sie als beste Darstellerin mit einem Goya ausgezeichnet worden.

Sie scheint also so recht geeignet, diesem Festival ein europäisches Glanzlicht aufzusetzen, zumal der Film in Babelsberg und Berlin spielt, bei einer fiktiven deutsch-spanischen Koproduktion 1938/38.Und doch: "Eher eine Komödie", hatte der Regisseur den Grundgedanken des Films umrissen, das Frage- und Antwortritual im Konferenzraum des Interconti geriet aber leider eher zum Trauerspiel.Man wußte nicht recht etwas mit einander anzufangen, auch ging es bald so ernsthaft zu wie in einem filmhistorischen Oberseminar.

Immerhin, Penélope blieb ein Lichtblick.Weniger was sie sagte, das war ohnehin nicht eben viel, sie wurde ja auch kaum gefragt.Aber dieser Anblick! Man wird da wohl ein wenig schwärmen dürfen, selbst wenn sie meist gelangweilt, ja fast mißmutig wirkte, gelegentlich Grimassen zog, Bekannten zuplinkerte.

Der Film reflektiere "den Zauber, den ein Schauspieler beim Drehen verspürt", das hat sie dann doch gesagt, und auch, daß sie Filme wie den, der im "Mädchen deiner Träume" gedreht wird, früher immer gern gesehen habe.Ein bestimmtes Vorbild habe sie bei ihrer Rolle nicht gehabt.Aber besonders zu interessieren schienen sie weder die Frage noch ihre Antwort.

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