DERIVATE, FINANZEN UND ANLAGEN : Globale Megatrends

Zielgerichtet investieren: Wer Aktien kaufen will, sollte auf die Zukunftsthemen setzen oder vom Aufstieg Chinas und Indiens profitieren.

Jonas Dowen

ChicagoAktien werden in Deutschland als Anlageinstrumente stiefmütterlich behandelt, wie jüngste Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen. Das Gesamtvermögen deutscher Haushalte lag im Jahr 2006 bei durchschnittlich rund 125 200 Euro pro Kopf. Gegenüber dem Vermögensstatus des Jahres 1997 entspricht dies einer Steigerung um 25 Prozent. Deutschland liegt damit aber deutlich hinter den USA (174 700 Euro) und Japan (131 000 Euro). Auffallend ist, dass sich die Vermögensstruktur in Deutschland vom Immobilien- zum Geldvermögen entwickelt hat. Dabei wird der weitaus größte Anteil in Bankeinlagen und Anleihen und nur ein kleiner Teil in Aktien gehalten.

Studien des US-Wissenschaftlers Jeremy Siegel zeigen jedoch, dass die Aktie langfristig zweifellos die beste Kapitalanlage war. Siegel geht davon aus, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Am besten werden bei der Aktienanlage jene Investoren abschneiden, die Überhitzungsphasen an den Börsen für Verkäufe von Aktien und Marktpaniken dann zum Rückkauf nutzen. Aus heutiger Sicht ist zum Erwerb dieser Papiere von Unternehmen zu raten, die in irgendeiner Form vom wirtschaftlichen Aufschwung in China profitieren. Dies betrifft vor allem Rohstoffaktien, da der Bedarf der Chinesen auf Jahre hinaus die Preise an den dementsprechenden Märkten auf hohem Niveau halten dürften.

Darüber hinaus können Anleger auch in Aktien chinesischer Unternehmen oder aber in Zertifikate auf chinesische Aktienindizes investieren. Hier bietet sich mittelfristig eine doppelte Gewinnchance. Denn zum einen dürften chinesische Aktien kräftig aufwärts tendieren und zum anderen ist in der chinesischen Währung – dem Yuan – eine kräftige Aufwertung zu erwarten. Anleger, die Investments an den heimischen Aktienbörsen investieren wollen, sollten auf die großen Zukunftsthemen setzen. Experten gehen davon aus, dass die Dynamik der globalen Megatrends wie Rohstoffe, Energie, Klimawandel, Wasser, Infrastruktur, Nanotechnologie und Biotechnologie auch in den nächsten Jahren weiter Bestand haben und für nachhaltige Wertsteigerungen sorgen wird. Denn es gibt wichtige fundamentale Treiber, an denen auch die aktuelle Finanzkrise grundsätzlich nichts ändert. Solche Trends entstehen durch strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft. Eine der wichtigsten ist der mit der Globalisierung der Weltwirtschaft einhergehende ökonomische Aufstieg Chinas und Indiens. „Megatrends, die in den vergangenen Jahren durch die fortschreitende Industrialisierung großer Schwellenländer angestoßen worden sind, werden durch die Turbulenzen der Subprime-Krise nicht wirklich aufgehalten werden können“, sagt Hans-Jürgen Klisch, Geschäftsführer der amerikanischen Investmentbank Raymond James & Associates. Es gelte zu bedenken, dass die Industrialisierung in diesen Wachstumsmärkten eine immer stärkere Eigendynamik entwickle.

Als sicherste Anlage gilt der globale Energiesektor. Denn mit dem drohenden Ende des Ölzeitalters ist eine allgemeine Energieverknappung absehbar. Dieser Sektor bietet auf Jahre hinaus große Investmentchancen, heißt es bei der Internationalen Energieagentur (IEA). Dort wird das globale Energiesystem in seiner jetzigen Form als nicht nachhaltig bezeichnet. Eine Wende sei dringend notwendig, so die IEA.

Dies auch, weil der aktuelle Energiemix negative Auswirkungen auf die Umwelt hat und für kommende Generationen hohe Kosten verursacht. So ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren die Themen Bioenergie, Uran und Kohle eine zunehmende Rolle spielen werden. Denn nur über eine künftig sauberere Energie-Infrastruktur ist das Ziel der Verlangsamung des Klimawandels zu erreichen. Positiv ist in diesem Kontext anzumerken, dass das Bewusstsein und das Verständnis rund um den Komplex Klimawandel auf allen Ebenen der Weltwirtschaft zugenommen haben. In allen diesen als Megatrends ausgemachten Sektoren ist in den kommenden Jahren mit gigantischen Investitionen in die Modernisierung und in den Ausbau der bestehenden Infrastruktur zu rechnen. „Wegen der Subprime-Krise kann es bei der Finanzierung aufseiten der Kreditgeber Probleme geben“, sagt Lex Hoogduin, Chefökonom der Fondsgesellschaft Robeco. Experten der Finanzindustrie wie Hans-Jürgen Klisch von Raymond James sehen diese Gefahr allerdings nicht: „Nach Angaben unserer Energie-Analysten in Houston/Texas ist die Finanzierung von Rohstoffprojekten im Energiebereich kein Problem“, meint Kisch.

Als prekär wird allgemein die Lage am Weltwassermarkt gesehen. Wasser bedeckt zwar den größten Teil der Erdoberfläche, ist in trinkbarer Form jedoch nur zu einem Prozent verfügbar. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) verfügt ein Drittel der Weltbevölkerung über keinen Zugang zu frischem Trinkwasser. Diese Knappheit ist dem Bericht zufolge Ursache von mehr als drei Millionen Todesfällen pro Jahr. Wasser wird daher als einer der bislang noch unterschätzten Megatrends gesehen.

Die steigende Weltbevölkerung und die in den Industrieländern alarmierend hohe Zahl älterer Menschen sind Ursachen dafür, dass auch der Gesundheitssektor – insbesondere die Biotechnologie – als gute Anlagemöglichkeit gesehen wird. „In der Biotechnologie wird es schon in Kürze einen nachhaltigen Durchbruch geben“, sagen Robert van Maasdijk und Pieter Haitsma Mulier, die im aktuell schwierigen Börsenumfeld mit dem Ingeneous Fund einen neuen Biotechnologie-Fonds aufgelegt haben.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar