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Design aus Frankreich : Ständig in Bewegung

05.10.2012 00:00 Uhrvon
Matalie Crasset bekommt die Inspiration im täglichen Leben. Mit Pierre Hermé  hat sie das Backset für Alessi entworfen.Bild vergrößern
Matalie Crasset bekommt die Inspiration im täglichen Leben. Mit Pierre Hermé hat sie das Backset für Alessi entworfen. - Foto: Tania & Vincent, Alessi

Matalie Crasset ist eine der mutigsten Designerinnen Frankreichs. Von ihrem Homeoffice in Paris aus entwirft sie sowohl Möbel als auch das Interieur für Hotels, außergewöhnliche Spieltreffs und Baumhäuser.

Wenn man Matalie Crasset in ihrem Pariser Studio besucht, dann geht es dort familiär zu. Ihre Kinder spielen im Garten oder unterhalten sich in der Küche, während die Designerin mit ihrem kleinen Team nebenan einen neuen Tisch, einen Teppich oder ein Hotel entwirft. „Leben und Arbeiten gehört für mich zusammen“, erklärt die 47-Jährige mit der auffälligen Mönchsfrisur. Matalie Crasset wuchs in einem Dorf im Norden Frankreichs auf. „Meine Eltern waren Bauern, da gab es keine Trennung zwischen der Wohnung und dem Arbeitsplatz. Das gehörte zusammen.“

Inzwischen ist sie eine der bekanntesten Designerinnen Frankreichs. Zu ihren Auftraggebern gehören renommierte Firmen wie Danese, Campeggi, Dornbracht oder Alessi.

Sie gestaltet aber auch das Interior Design für Hotels wie das jüngst fertig gestellte Dar'hi Nefta in Tunesien. Den Entschluss, Designerin zu werden, fasste Matalie Crasset in einem Seminar über Werbung. Damals war sie 21 Jahre alt und studierte noch Marketing. Sie schrieb sich für Industriedesign an der Ecole Nationale Supérieure de Création Industrielle in Paris ein. Nach ihrem Abschluss ging sie nach Mailand, um im Büro von Denis Santachiara zu arbeiten.

Zurück in Paris arbeitete sie fünf Jahre lang bei Stardesigner Philippe Starck, bevor sie sich 1998 mit ihrem eigenen Büro selbständig machte. Mit dem klaren, kühlen Design von Philippe Starck haben Matalie Crassets Arbeiten wenig gemein. Sie scheut sich nicht, Farben einzusetzen. Die Formen ihrer Möbel und Gebrauchsgegenstände sind oft rund und üppig. Der „Decompression Chair“ von 2002 zum Beispiel umarmt den Sitzenden wie eine füllige Mama. Wie viele ihrer Objekte ist dieser Sessel nicht für den Alltag bestimmt. Stattdessen wird er in Galerien als Kunstobjekt gehandelt.

Für die Solo-Ausstellung “In Vino Veritas“ in der Gandy Gallery in Bratislava entwarf die Französin das Objekt „ The Cross and the Bottle”.Bild vergrößern
Für die Solo-Ausstellung “In Vino Veritas“ in der Gandy Gallery in Bratislava entwarf die Französin das Objekt „ The Cross and the Bottle”. - Foto: Patrick Gries

Ihre Arbeit an der Grenze zwischen Kunst und Design führte Matalie Crasset zur Zusammenarbeit mit Künstlern wie Peter Halley, mit dem sie in der Pariser Galerie von Thaddaeus Ropac ausstellte. Die meisten Inspirationen bekommt Matalie Crasset im täglichen Leben. „Ich sehe mich als Hebamme im Designprozess“, sagt sie. „Es geht weniger darum, ein Material oder die Ästhetik zu formen als vielmehr gemeinsame Absichten und Werte mit meinen Kunden herauszuarbeiten und diese zu vereinen.“ Mit vielen ihrer Auftraggeber arbeitet sie bereits seit langer Zeit zusammen.

Für Danese beispielsweise stellte sie in diesem Jahr auf der Mailänder Möbelmesse ein neues Mitglied der Serie „Double Side“ vor. Die Kollektion startete mit einem Stuhl, der sich mit wenigen Handgriffen von einem Sessel mit Stauraumfach zu einem Hocker mit angeschlossener Arbeitsfläche umbauen lässt, auf der man zum Beispiel den Computer abstellen kann. Das neue Produkt ist ein Tisch, der sich vom Schreib- zum Esstisch umfunktionieren lässt. „Ein Objekt ist nicht großzügig genug, wenn es nur eine einzige Funktion hat“, kommentiert Matalie Crasset den Entwurf.

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